Es soll nichts schöngeredet werden, aber davon sind wir ja im Moment auch weit entfernt. Migration und die Integration von Geflüchteten in unserer Gesellschaft wird derzeit in erster Linie als Problem betrachtet. Das führt zu negativer Stimmung in der Gesellschaft, Angst vor drastischen Wahlergebnissen bei Landtagswahlen und bei vielen Geflüchteten führt dies zu Angst und Depression. Diese Kurzanalyse war der Ausgangspunkt für unsere Veranstaltung im Rahmen der Tage des Exils in Frankfurt. Hier geht es zu einem Reel über die Veranstaltung.
Ursprünglich geplant hatten wir eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie werde ich Teil der Gesellschaft in Deutschland?“ wir wollten mit Vertreter:innen der drei Amal News-Communities in Frankfurt über Herausforderungen und Lösungen rund um das Thema Integration sprechen.
Dann allerdings kamen wir in unserer Redaktionskonferenz zu dem Schluss, dass weitere Problemanalyse nicht das richtige ist. Stattdessen planten wir ein Event, das ganz praktisch zeigt, welche großen Vorteile Migration hat. Zum Beispiel für die Stadtkultur in Frankfurt.
Wir scrollten durch unsere Archivseiten und haben die interessantesten Künstler:innen aus Frankfurt und Umgebung eingeladen, über die wir auf unseren Seiten in den letzten Jahren berichtet haben.

Das Ergebnis war fulminant: Nachdem auf der Bühne kürz das Team von Amal News in Frankfurt sich vorgestellt und diskutiert hatte, wie sehr sich die Kultur von Frankfurt durch die Ankunft der Geflüchteten in den vergangenen Jahren bereichert hat, wanderten Team und Gäste (inzwischen war die Gruppe auf ca. 100 Personen angewachsen) ans andere Ende des lichtdurchfluteten Crespo-Gebäudes. Im Foyer bauten zwei Frauen ihren Stand nebeneinander auf, die unterschiedlich und zugleich sehr ähnlich waren. Beide bemalen Körper. Viktoriia Masterovenko, Malerin aus der Ukraine verziert Hände und Oberarme mit ukrainischen Bauernblumen. Zahra, die ihren Nachnamen lieber nicht nennen möchte, hingegen dekoriert Hände auf traditionelle Art wie es bei Hochzeiten in Afghanistan üblich…war, muss man leider sagen. „Die Taliban haben es verboten, dass Frauen und Männer sich die Hände bemalen“, sagt sie.
Als nächstes trat die Tanzgruppe Smereka auf, zeigte moderne ukrainische Folklore und nach zweimal zuschauen war auch das Publikum aufgefordert: „Spitze, Hacke, Spitze, Hacke und jetzt springen.“

Zurück zum Ausgangssetting von Podium und Stuhlreihen. Inzwischen hat das Künstlerkollektiv Kontra auf dem Podium Platz genommen und berichtet von der Arbeit. Künstler:innen verschiedener arabischer Herkunft haben sich Anfang 2026 zusammengeschlossen, um gemeinsam Projekte umzusetzen. Derzeit drehen sie eine Serie von Kurzfilmen, in denen sie ihre Meinung zu Themen wie Rassismus, Integration und allgemeinen Lebensgefühl darstellen. Sie haben sich mehrfach um Finanzierung ihrer Projekte bemüht, aber ohne Erfolg: „Wir haben dann beschlossen, dass wir die Projekte einfach trotzdem machen. Lowbudget und in unserer Freizeit“, beschreibt Ronnie Darwish.

Als nächstes gehört die Bühne der palästinensisch-irakisch-stämmigen Künstlerin Laian Abu Irsheid. Sie studiert derzeit Kunst in Frankfurt und zeigte einige Malereien. Sie reflektiert in den Arbeiten über ihr Leben zwischen den Welten und die Zerrissenheit des Exils.

Ähnlich und doch ganz anders die Arbeit von Dima Muqbel. Sie singt die beliebten Protestsongs des ägyptischen Sängers Sheikh Imam und veranstaltet dazu regelmäßig Sing Alongs, die nicht nur in der arabischen Community beliebt sind.

Heimweh und Exil war die Überschrift der nächsten Gesprächsrunde. Amal-Redakteur Parwiz Rahimi diskutierte mit zwei befreundeten Fotografen, Ramin Mohabbat und Shkeib Sirak, die ebenso wie er bereits in Afghanistan fotografiert haben und nun ihre Arbeit in Deutschland fortsetzen über Tabus und Hindernisse beim Fotografieren in den beiden Ländern.
In Afghanistan sei die Arbeit inzwischen fast unmöglich geworden, weil unter den Taliban Fotografie insgesamt mit großem Misstrauen betrachtet werde, beschreibt Ramin Mohabbat: „In Deutschland ist das natürlich ganz anders, aber ich habe gelernt, dass man sehr vorsichtig sein muss, wenn man Personen fotografiert wegen der Persönlichkeitsrechte. So bin ich in Deutschland zum Landschaftsfotografen geworden“.

Anschließend wanderte die Versammlung ins Untergeschoss, dort spielte das afghanische Duo aus Farid Azar und Farid Benerjee Rubab und Tabla.

Den krönenden Abschluss bildete das Buffet, das von Falafeln und Humus über Aubergine mit Kashk und Safran Kuch bist zu ukrainischen Bauernblumen und Macarons in den Nationalfarben reichte.
Am Ende hatten wir das gute Gefühl: Mission accomplished! Unser Ziel, dass unsere Gäste am Ende der Veranstaltung zufriedener und fröhlicher sein sollen als zuvor, haben wir auf jeden Fall erreicht.