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Die Perspektive einer arabischen Studentin aus Magdeburg

Nur noch eine leere Floskel?© Maram Abughanim/Amal News
Nur noch eine leere Floskel?© Maram Abughanim/Amal News

Meine Kaffeetasse sagt, dass Deutschland vielfältig ist. Aber was sagen die Wahlen?

Heute Morgen bin ich aufgewacht und habe meinen Kaffee aus meiner Lieblingstasse getrunken. Darauf stand der Slogan: „Deutschland ist bunt“ – ein Satz, den ich seit meiner Ankunft hier im Jahr 2018 oft gehört habe und der mir immer gefallen hat. Jetzt studiere ich Journalismus in Magdeburg. Dort habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Alles schien so zu laufen, wie ich es geplant hatte. Aber seit Sonntag fühlt es sich an, als hätte mir jemand die Bemühungen der vergangenen acht Jahre ins Gesicht geschlagen.

Ich wollte mich nicht nur integrieren, sondern etwas beitragen …

Als ich nach Deutschland kam, hoffte ich auf ein neues Leben und neue Perspektiven. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass einmal der Moment kommen würde, in dem ich mich frage, ob ich gehen möchte. Viele Türen standen mir offen. Ich wollte auch selbst etwas zurückgeben. Ich wollte mich nicht nur integrieren, sondern etwas beitragen. Die Sprache allein ist keine Integration. Sie ist der erste Schlüssel. Für mich bedeutet Integration, sich zugehörig zu fühlen und Teil der Gesellschaft zu sein, in der ich lebe. Ich wollte jemand sein, der denen die Hand reicht, die Schwierigkeiten haben. Ich wollte ihnen meine Erfahrung weitergeben, damit ich ihnen helfen kann, später ihre Geschichten aufzuschreiben.

Ich habe Spuren hinterlassen

Deshalb engagierte ich mich etwa drei Jahre lang ehrenamtlich in einer Nichtregierungsorganisation in Berlin. Dort brachte ich Migrantinnen und geflüchteten Frauen digitale Grundkenntnisse bei. Es waren einfache Dinge, etwa eine E-Mail-Adresse einzurichten oder das Internet zu nutzen. Aber für sie bedeutete das viel. Es machte mich glücklich, wenn eine Teilnehmerin stolz zu mir kam und mir sagte, dass sie zum ersten Mal eine E-Mail mit Anhang verschickt oder online einen Termin gebucht hatte. Für mich war das meine Art zu sagen: „Ich war hier … ich habe Spuren hinterlassen … ich habe etwas beigetragen.“

Dann begann ich den Podcast Germanized, um meine Erfahrungen über das Leben in Deutschland zu teilen. Nach einigen Folgen hörte ich damit auf, nachdem ich Ereignisse erlebt hatte, die meinem Leben eine neue Richtung gaben, und ich in den vergangenen zwei Jahren in drei verschiedene Städte gezogen war. Auch das war meine Art, anderen zu sagen: „Ihr werdet Schwierigkeiten erleben, aber ihr seid nicht allein, und es wird gut werden.“

Dann kamen die Wahlen …

Es war eine lange Reise. Nach dem Abschluss meines Integrationskurses arbeitete ich in drei verschiedenen Unternehmen in Berlin und zahlte Steuern. Mein Ziel war, mich so schnell wie möglich vom Jobcenter unabhängig zu machen und finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Es gibt etwas, das ich nur schwer ignorieren kann: Ich bin eine junge arabische Frau mit Kopftuch und lebe in einer Universitätsstadt in Sachsen-Anhalt. Die stärkste Partei in meiner Generation ist die AfD. Heute Morgen habe ich gelesen, dass die Partei 42 Prozent der Stimmen von Wählerinnen und Wählern unter 25 Jahren erhalten hat. Es fällt mir schwer, angesichts dieser Zahl nicht Enttäuschung und Schock zu empfinden.

Zum ersten Mal denke ich ernsthaft darüber nach, Deutschland nach meinem Abschluss zu verlassen. Und ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die so denkt. Ich fühle mich nicht mehr willkommen. Oder zumindest will ich nicht an einem Ort leben, an dem ich das Gefühl habe, ständig beweisen zu müssen, dass ich es verdiene zu bleiben, obwohl ich dort jahrelang mein Leben aufgebaut habe.

Finde ich mich noch immer in dem Satz „Deutschland ist bunt“ wieder?

Ich weiß, dass wir unabhängig vom Wahlergebnis weiter in einem Rechtsstaat leben, und das ist mein Trost. Und auch wenn ich mir Sorgen darüber mache, wie die Menschen in Magdeburg von nun an mit mir umgehen könnten, weiß ich, dass meine Rechte gewahrt bleiben. Aber ich kann die Frage nicht ignorieren, die seit dieser Wahl in meinem Kopf ist: Werden mehr Migrantinnen und Migranten darüber nachdenken wegzugehen? Ich bin einer dieser Menschen. Und heute, während ich darauf warte, dass über meinen Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden wird, schaue ich auf meine Tasse mit dem Satz „Deutschland ist bunt“ und frage mich: Finde ich mich noch immer in diesem Satz wieder?

Text von Maram Abughanim

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