Die ersten Tage sind immer aufregend: 16 neue Teilnehmende in unserem Seminarraum. Es geht darum, sich schnell kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen, um dann drei Monate lang gut zusammenzuarbeiten.
Im ersten Schritt stellten sich die Teilnehmenden der Reihe nach vor. Name, Studium, journalistische Erfahrung. Dabei stellte sich schon heraus, wie divers die Gruppe ist: Manche arbeiten bereits freischaffend für syrische Medien oder als Pressesprecherinnen für Organisationen. Manche haben ihr Studium an der Medienfakultät der Uni Damaskus abgeschlossen, andere wegen des Krieges und weil sie fliehen mussten, noch nicht einmal angefangen zu studieren, dafür aber viel praktische Erfahrung mit Kamera und Schnitt.

Düngemittel fürs Selbstbewusstsein
Im nächsten Schritt interviewten sich jeweils zwei Teilnehmende und stellten sich dann gegenseitig vor der Gruppe vor. Dabei kamen interessante Details zu Tage und die Gruppe kam sich näher. Manchen war die Aufregung stark anzumerken, aber am Ende schafften es alle.
Danach ging es in eine Gruppenarbeit mit der Aufgabe, mehrere Fragen zu diskutieren und anschließend die Ergebnisse vor allen als Theaterstück oder Kunstwerk vorzustellen. Besonders gut kam ein Sketch an. Er spielt im Wohnzimmer einer Familie am Abend als das Regime Assad gestürzt wurde.

Die Frage nach der Herkunft sollte verboten werden, oder?
Vielsagend auch das Poster, das eine andere Gruppe erstellt hatte. Sie wünschten sich, dass Frauenfeindlichkeit ebenso wie die Frage „Wo kommst du her?“ in Syrien keine Chance mehr haben sollten. Hinter der Frage nach der Herkunft, so die Begründung, verberge sich eigentlich die Frage nach der Konfession und diese sei in der Regel mit einer Bewertung und möglichen Diskriminierung verbunden.
Es kann also interessant werden, haben wir uns doch große Mühe gegeben, eine möglichst diverse Gruppe zusammenzustellen, in der jungen Journalist:innen aus vielen Regionen Syriens mit unterschiedlichen Konfessionen vertreten sind. Ziel ist, gemeinsam daran zu arbeiten, die syrischen Medien ein bisschen besser zu machen.
