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Auf den Spuren des Rieslings

© Valeriia Semeniuk/Amal News
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Zwischen steilen Weinbergen, mittelalterlichen Burgen und malerischen Fachwerkstätten: Amal-Redakteurin Valeriia Semeniuk hat die Heimat des Rieslings erkundet.

Rheinland-Pfalz ist das größte Weinbaugebiet Deutschlands. Mehr als 60 Prozent der Weinberge des Landes liegen hier. Genau hier befinden sich auch die berühmten Weinregionen Mittelrhein und Mosel. Dort umschlingen Weinberge kleine Städte, bedecken steile Hänge und reichen bis an die Mauern mittelalterlicher Burgen.

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Am besten lässt sich der Rhein vom Schiff aus erkunden. Dabei lassen sich mittelalterliche Burgen und Weinberge vom Wasser aus bewundern. Im Herbst 2026 schränkte Niedrigwasser die Schifffahrt auf dem Mittelrhein erheblich ein. Eine Alternative bot die Bahn: Sie verläuft entlang des Flusses und ermöglicht Stopps in malerischen Kleinstädten.

Mein erster Halt ist Bacharach. Fachwerkhäuser, schmale gepflasterte Gassen und die hoch über dem Tal thronende Burg Stahleck prägen das Stadtbild. Schon im Mittelalter war die Stadt ein wichtiges Zentrum des Weinhandels. Hierher sammelte man Weine aus verschiedenen Orten entlang des Rheins, um sie später in andere europäische Städte weiterzutransportieren. Bis heute ist die Weintradition überall sichtbar: Weinreben und alte Weinfässer gehören dazu. Weiter geht es nach Oberwesel. Direkt neben dem Rathaus steht ein riesiges dekoratives Weinglas mit der Aufschrift „Weinstadt“.

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Aber warum entwickelte sich gerade diese Gegend zu einer bedeutenden Weinregion? Der Grund liegt in der Geografie. Das enge Rheintal schützt die Weinberge vor kalten Winden und schafft günstige Bedingungen für den Weinbau. Hinzu kommt der Schiefer, das typische Gestein der Region. Die dunklen Steine erwärmen sich in der Sonne und geben die gespeicherte Wärme wieder ab. Das begünstigt die Reifung der Trauben. Allerdings ist der Anbau auf solchen Hängen aufwendig: Maschinen lassen sich längst nicht überall einsetzen.

Riesling zur Probe

Am besten lernt man die regionalen Weine direkt bei den Erzeuger:innen kennen. Viele Weingüter bieten Weinproben an. Häufig handelt es sich um Familienbetriebe, deren Tradition über Generationen weitergegeben wird.

Die Geschichte der Familie Lanius umfasst rund 250 Jahre Weinbautradition. Heute bewirtschaftet sie etwa elf Hektar Weinberge, überwiegend an den Steilhängen des Mittelrheins. Das Weingut Lanius-Knab bietet sechs Arten von Verkostungen an. Der Preis liegt je nach Wein zwischen 20 und 35 Euro.

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Die Weinproben finden in einem separaten Raum statt. Er ist bewusst schlicht gehalten, damit nichts von der Verkostung ablenkt. Sechs Weine, überwiegend Rieslinge, werden auf einem Holzbrett serviert. Unter jedem Glas steht eine ausführliche Beschreibung: der Name des Weins, die Rebsorte, die Besonderheiten des Bodens und die Geschmacksmerkmale wie Säure und Zuckergehalt.

Bei der Verkostung wird mir klar, dass Riesling nicht einfach nur der Name einer Rebsorte ist. Rieslinge, die sogar im selben Weingut hergestellt werden, können sich deutlich unterscheiden. Das hängt vom konkreten Weinberg, von der Zusammensetzung des Bodens und von den Wetterbedingungen ab.

In Deutschland ist auch die Herkunft des Weins von großer Bedeutung. Eine der angesehensten Vereinigungen von Erzeugern ist der VDP – Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Diese Vereinigung hat eine eigene vierstufige Klassifikation. Darin spielt die Qualität der Weinberge eine besondere Rolle.

Auf den Etiketten stehen Bezeichnungen wie VDP.GUTSWEIN, VDP.ORTSWEIN, VDP.ERSTE LAGE oder VDP.GROSSE LAGE. Letztere weist auf besonders wertvolle Weinlagen hin. Trockene Weine der höchsten Kategorie tragen die Bezeichnung großes Gewächs, abgekürzt GG.

Unter den Weinen von Lanius-Knab fällt besonders der Riesling Oberweseler In der Rheinhell Riesling trocken der Kategorie VDP.ERSTE LAGE auf. Eine Flasche kostet 67 Euro. Der Vorteil einer Verkostung ist jedoch, dass sich 50 Milliliter dieses Weins zusammen mit anderen Weinen probieren lassen. Und es zeigt sich: Der teuerste Wein ist nicht unbedingt der schmackhafteste. Manche andere Proben für 45 oder sogar 18 Euro pro Flasche wirken interessanter. Allerdings ist auch das wieder Geschmackssache.

Ein Mitarbeiter des Weinguts erklärt mir, warum gerade dieser Wein der teuerste ist. Er wird aus Trauben hergestellt, die auf einer kleinen Parzelle im Weinberg Oberweseler Oelsberg wachsen. Dort sind wurzelechte Rieslingreben erhalten geblieben, die mehr als 70 Jahre alt sind. Alte Reben bringen vergleichsweise geringe Erträge. Aus ihren Trauben entsteht ein Wein mit ausgeprägtem individuellem Geschmack.

Zwei Regionen, zwei Charaktere des Weins

Mein zweiter Reisetag beginnt in Koblenz, der Stadt mit dem Deutschen Eck. Genau dort mündet die Mosel in den Rhein. Das Zusammentreffen der beiden Flüsse lässt sich aus der Höhe von der Seilbahn aus sehen, die das Ufer von Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein auf der anderen Seite verbindet. Aus der Kabine eröffnet sich ein ungewöhnliches Panorama: zwei Flussläufe und die schmale Landzunge dazwischen, auf der das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. aufragt.

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Das ist ein symbolischer Treffpunkt zweier bekannter Weinregionen: des Mittelrheins und der Mosel. Die erste ist eine relativ kleine Region mit etwa 400 Hektar Weinbergen. Das enge Flusstal und die Schieferhänge prägen die Besonderheiten des lokalen Rieslings: eine ausgeprägte Säure mit mineralischen Noten.

Die Mosel ist deutlich größer. Sie umfasst mehr als 8.000 Hektar Weinberge, überwiegend an noch steileren Hängen als am Rhein. Deshalb ist die Region für elegante Rieslinge mit fruchtigen Aromen und frischer, ausgeprägter Säure bekannt.

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Beide Regionen erzeugen jedoch die ganze Palette von trockenen bis zu süßen Weinen. Das hängt von der jeweiligen Lage und der Art der Weinherstellung ab. In jedem Fall nutzen die Winzer:innen die Besonderheiten des Mikroklimas in den Flusstälern und der steinigen Böden. Die örtlichen Reben sind genau an diese Bedingungen gut angepasst.

Wein mit Geschichte

Mein nächster Halt ist Cochem, eine der bekanntesten Touristenstädte an der Mosel. Mit der Weinkultur kommt man hier buchstäblich auf Schritt und Tritt in Berührung. Schmale Gassen führen zu alten Weinkellern. Die Eingänge zu den Restaurants sind mit Weintrauben und Holzfässern geschmückt.

Im Herbst ist vor vielen Weinstuben die Aufschrift Frischer Federweißer zu sehen. Das ist ein junger Traubenmost, dessen Gärung noch andauert. Die Hefe verwandelt den natürlichen Zucker der Trauben nach und nach in Alkohol. Deshalb verändert das Getränk ständig seinen Geschmack.

In Cochem gibt es mehrere Arten von Weinlokalen. Ein Weingut ist ein Weinbaubetrieb. Eine Vinothek ist ein Ort, an dem man Wein auswählen und oft auch probieren kann. Eine Weinstube ist eine kleine Weinschenke.

Weinstuben sind nicht nur wegen ihres Angebots interessant, sondern auch wegen ihrer Innenräume. Diese erinnern stellenweise an kleine Weinbaumuseen. Eines der Ausstellungsstücke ist eine alte Handmaschine zum Verschließen von Weinflaschen. Früher presste man mit ihrer Hilfe Korken in die Flaschen.

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Hinter den Türen alter Keller sind außerdem Metallkisten mit staubbedeckten Flaschen Riesling aus den 1970er- und 1980er-Jahren zu sehen. Solche Sammlungen nennt man Weinarchiv. Denn hier wird die Geschichte eines Weinguts bewahrt.

Aber nicht nur der Wein zählt

Danach führt unsere Route zur Reichsburg, die über Cochem aufragt. Man kann mit dem Bus dorthin gelangen. Deutlich spannender und gesünder ist es jedoch, den Hügel zu Fuß zu erklimmen.

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Türme, Zinnenmauern und schmale Fenster schaffen die Atmosphäre einer mittelalterlichen Festung. Das heutige Erscheinungsbild der alten Burg ist allerdings das Ergebnis eines Wiederaufbaus. 1689 zerstörten französische Truppen von König Ludwig XIV. die Burg. Fast zwei Jahrhunderte lang blieb sie eine Ruine, bis sie 1868 der Berliner Unternehmer Louis Ravené kaufte.

Er ließ die Burg im neugotischen Stil wieder aufbauen und richtete hier seine Sommerresidenz ein. Tourist:innen können ihre prächtigen Säle und antiken Möbel besichtigen. Nicht weniger eindrucksvoll ist jedoch der Blick aus der Höhe. Beide Ufer von Cochem und die Mosel liegen wie auf dem Präsentierteller.

Warum liebt Riesling steile Hänge?

Und da sind wieder dieselben Weinberge, die die Hänge bedecken. Dieser Teil der Mosel heißt nicht ohne Grund Terrassenmosel. An vielen Stellen sind die Hänge so steil, dass Wein nur auf schmalen Terrassen angebaut werden kann, die mit Steinmauern befestigt sind. Manchmal sind sie für gewöhnliche Technik unzugänglich. Dann pflegen die Winzer:innen die Reben und lesen die Trauben von Hand.

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Zudem gehören Rhein und Mosel zu den Regionen eines vergleichsweise kühlen Weinbaus. Dort reifen die Trauben langsamer als in den warmen Regionen Frankreichs oder Italiens. Die Flusstäler schaffen jedoch ein besonderes Mikroklima. Sie schützen die Reben vor kalten Winden. Sonnige Hänge und steinige Böden helfen, Wärme zu speichern. Gerade dank dieser langsamen Reifung hat der lokale Riesling seine besondere Frische und sein Aroma.

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