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Mehr als nur ein Werbegeschenk

© Nana Morozova/Amal News
© Nana Morozova/Amal News

Ukrainisches Design statt langweiliger Werbegeschenke: Mit kreativen Ideen, hochwertigen Produkten und traditionellem Handwerk wollen Nazarii Pankevych und Anastasiia Molodii deutsche Unternehmen überzeugen. Ihr Start-up Turbota verbindet ukrainische Kultur mit lokaler Produktion.

„Wir haben den Markt für Souvenirs untersucht, die deutsche Firmen normalerweise als Geschenke für ihre Mitarbeiter und Kunden bestellen. Und was wir gesehen haben, hat uns nicht gefallen“, sagt Nazarii Pankevych. „Es sieht, sagen wir mal, cringe aus.“ Der 23-jährige Unternehmer ist überzeugt, dass deutsche Firmen bei ihren Geschenken neue Wege können. Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Anastasiia Molodii will er zeigen, dass es dafür nicht nur gute Ideen, sondern auch starke Partner:innen in der Ukraine gibt.

„Wir haben bereits einen Kunden aus der deutschen Rüstungsindustrie“, sagt Molodii. „Wir glauben, dass weitere folgen werden. Solche, die hochwertigen Merch mit starken kreativen Ideen brauchen.“

© Turbota.de

Die Inhaber:innen von Turbota sind stolz auf die Qualität ukrainischer Produkte, die kurzen Produktionszeiten und den Service, den ukrainische Fabriken und Handwerksbetriebe trotz des Krieges sicherstellen. „Wir wollen nicht Firmenlogos auf chinesische Souvenirs stempeln“, betont Pankevych. „Turbota unterstützt kleine, oft familiengeführte Unternehmen in der Ukraine, die dringend Aufträge brauchen. Deshalb sind sie ebenso wie wir an hervorragender Qualität interessiert.“

Ein Beispiel sind Trainingsanzüge mit gesticktem Firmenlogo. In Deutschland sei es sehr teuer, eine kleine Serie davon produzieren zu lassen. In der Ukraine hingegen sei ein solcher Auftrag deutlich günstiger, erklärt Pankevych – selbst wenn dafür ein individueller Schnitt entwickelt werden müsse. „Unsere Partner in Tschernihiw kennen sich sowohl mit Stoffen als auch mit Technologien aus. Und Turbota versteht etwas von Design. Deshalb werden solche Anzüge nicht nur hochwertig sein. Die Leute werden sie mit Freude tragen.“

Wir machen Kultur modern

In der Ukraine hat Turbota seine Marke auf der Idee aufgebaut, ukrainische Kultur zeitgemäß zu interpretieren. Das Unternehmen nutzt traditionelle Motive und Bedeutungen in neuem Design und modernen Wohnprodukte. Dieses Konzept möchte das Unternehmen nun auch auf für den deutschen Markt tun.

„In der Ukraine kennt man uns als Hersteller von Kerzen aus Sojawachs, deren Düfte eng mit bestimmten Orten oder kulturellen Symbolen verbunden sind und die die moderne Identität der Ukrainer widerspiegeln“, erklärt Nazarii Pankevych. „Sehr beliebt sind auch unsere kreativen Poster mit Zitaten ukrainischer Philosophen, Künstler und Schriftsteller.“

Für den deutschen Markt gingen die Gründer:innen ähnlich vor: Sie fragten ihre deutschen Freund:innen, welche Düfte sie an ihre Kindheit erinnern und welche Redewendungen oder Alltagserfahrungen für ihre Region oder Kultur typisch sind. Manche erinnerten sich an ein Tomatenhaus im Garten, andere an glückliche Stunden beim Spielen im Baumhaus oder an die Gerüche, die sie im Hinterhof ihres Hauses wahrgenommen hatten. Aus diesen Erinnerungen entstanden Kerzen wie „Tomatenhaus“ mit dem Duft von Tomatenblättern, „Hinterhof“ mit einer behaglich-rauchigen Mischung aus Grill-, Schmieröl- und Farbgeruch sowie „Treppenhaus“ mit Noten von Holz und Grün.

Die Inhaber:innen von Turbota wollen die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen auch dafür nutzen, Deutschland mit besonderen Facetten ukrainischer Kultur und mit lokalen Produkten bekannt zu machen. In den Geschenkboxen, die sich über die neue deutsche Website des Unternehmens bestellen lassen, findet sich unter anderem gemahlener Kaffee aus Poltawa. Die kleine Rösterei btwc verarbeitet die Bohnen und verpackt den Kaffee in schöne Papier-Filterbeutel.

© Turbota.de

Zu den Waren, die das Unternehmen deutschen Kund:innen anbieten möchte, gehören auch Tassen und Schalen aus Hawarezker Keramik, die sich für Kaffee und Tee eignen. „Wir legen einen besonderen Schwerpunkt auf dieses schwarz geräucherte Geschirr, das in der Ukraine sehr beliebt und bekannt ist“, betont Nazarii Pankevych. „Es wird in dem kleinen Dorf Hawaretschschtschyna in der Region Lwiw nach einer Methode hergestellt, die heute fast nirgendwo sonst mehr verwendet wird. Nur drei Meister beherrschen dieses Handwerk, darunter Mychajlo Hawryschkiw.“

Nazarii Pankevych ist von der Hawarezker Keramik begeistert. Er kennt ihre Geschichte und sorgt sich darum, dass das Dorf allmählich entvölkert wird und die alte Handwerkstechnik in Vergessenheit gerät. Die ukrainischen Meister formen Krüge und Tassen wie in alten Zeiten von Hand auf der Töpferscheibe – ohne Zusätze oder Farbstoffe. Anschließen trocknen sie die Gefäße in einem heißen, traditionellen Ofen vor und brennen sie, indem sie Erde in den Ofen streuen. Anschließend wird der Ofen für zwei Tage zugemauert, damit keine Luft mehr eindringen kann. Das Ergebnis ist schwarzes Geschirr mit einem feinen Glanz, das besonders klangvoll ist und die Wärme deutlich besser hält.

Der Beginn von Turbota

Nazarii Pankevych und Anastasiia Molodii stammen aus der Stadt Brody. Kennengelernt haben sie sich aber während ihres Studiums an der Kyjiw-Mohyla-Akademie. Die Idee für Turbota entwickelten sie 2020, mitten in der COVID-19-Pandemie. „Damals waren englische oder russische Namen für Unternehmen in Mode“, erinnert sich Nazarii Pankevych. „Wir aber entschieden uns für ein ukrainisches Wort. Das war unser kleiner Protest.“

Das erste Produkt des Unternehmens waren handgefertigte Duftkerzen aus Sojawachs. Die Gründer:innen haben ihnen kreative Namen wie „Weihnachtskarpaten“, „Kyjiwer Kastanien“, „Frühstück in Lwiw“. Fast ein Jahr lang blieb der wirtschaftliche Erfolg jedoch aus. Dann kam ein großer Auftrag über 1.500 Geschenksets mit jeweils drei Kerzen und Süßigkeiten. „Zuerst haben wir es nicht geglaubt und nicht einmal auf die Anfrage geantwortet“, sagt Nazarii Pankevych lächelnd. „Als die Zeit dann knapp wurde, haben wir alle Verwandten eingespannt. Wir hatten ja nur mich, Nastja, eine Garage und eine elektrische Kochplatte!“

© Nana Morozova/Amal News

Später arbeitete Turbota mit Kyjiwer Supermarktketten, mit der Ukrainischen Eisenbahn und mit Uklon zusammen. Die Kerzen der Marke wurden in mehr als 30 Showrooms im ganzen Land angeboten. 2023 vertrat das Unternehmen die Ukraine sogar beim Eurovision Song Contest 2023 in Liverpool. Seine Kerzen der Marke gehörten zu den Produkten, die im Rahmen von Begleitausstellungen und offiziellen Präsentationen während des Wettbewerbs die zeitgenössische Kultur und das Schaffen moderne ukrainische Hersteller:innen zeigten.

Die deutsche Website von Turbota richtet sich an Firmenkund:innen. Kerzen, Diffusoren, Poster und weitere Produkte können Privatkund:innen weiterhin über die ukrainische Website des Unternehmens bestellen. Gelegentlich nehmen Nazarii Pankevych und Anastasiia Molodii auch an Märkten teil. Im Sommer verkauften sie Kerzen und Plakate aus der Serie „Worte, die tragen“ auf einem Berliner Flohmarkt, den die Künstlerin Vika Temnova organisiert hatte. Im kommenden Jahr wollen sie außerdem am Wohltätigkeits-Pop-up-Markt ukrainischer Kunsthandwerker:innen Skrynya teilnehmen.

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