Skip to main content

Shady Boshra will in die Politik

Shady Boshra auf dem Landesparteitag der SPD © SPD
Shady Boshra auf dem Landesparteitag der SPD © SPD

Mit 22 Jahren arbeitet Shady Boshra bereits im Bundestag und engagiert sich in der Berliner SPD. Der Weg des Ägypters in die deutsche Politik begann jedoch nicht im Parlament, sondern mit Büchern, Neugier und der Frage, wer eigentlich über die Zukunft von Menschen mit Migrationsgeschichte entscheidet. 

Shady Boshra studiert Politikwissenschaft an der Universität Potsdam. In der Berliner SPD ist der 22-jähriger Ägypter stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt und leitet gleichzeitig die Arbeitsgemeinschaft im Bezirk Neukölln. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der Partei in seinem Bezirk. Parallel zu seiner Parteiarbeit arbeitet Boshra im Deutschen Bundestag für die SPD-Bundestagsfraktion in den Bereichen Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Presse und Social-Media-Kommunikation.

Der Anfang: ein Buch aus der Schulbibliothek

Sein Weg in die Politik begann seiner Darstellung nach an einem Ort, der zunächst wenig mit Parteien oder Parlamenten zu tun hat: in der Schulbibliothek. Während seiner Schulzeit lieh sich Boshra dort Bücher aus. Darunter waren Werke und Artikel des ägyptischen Schriftstellers und Journalisten Ibrahim Eissa. Er las außerdem die Memoiren politischer und historischer Persönlichkeiten Ägyptens, darunter Saad Zaghloul und Mustafa Kamel. 

Diese Lektüre habe ihn nach und nach dazu gebracht, über ein Studium der Politikwissenschaft nachzudenken. Eine politische Karriere hatte er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht im Blick. Die Entscheidung war für ihn zunächst eine akademische und keine politische.

Der erste Funke

Mit der Zeit beschränkte sich sein Interesse nicht mehr auf Bücher und das Studium. Boshra begann, das politische Leben in Deutschland genauer zu beobachten – insbesondere die Demokratie und das Parteiensystem. Nachdem er wegen seines Studiums in einer andere Stadt gezogen war, lernte er dort die lokale politische und parteipolitische Arbeit besser kennen. 

In dieser Zeit wurde er auch auf Kevin Kühnert aufmerksam, der damals zu den bekanntesten jungen Gesichtern der SPD gehörte und später Generalsekretär der Partei wurde. Boshra sagt, ihn hätten Kühnerts politische Präsenz und sein Werdegang beeindruckt. Das habe sein Interesse an der SPD gestärkt.

Zwischen SPD, Grünen und Linken

Doch die SPD sei keineswegs seine einzige Option gewesen. Auch die Linke und die Grünen seien für ihn infrage gekommen. Vor allem zwischen SPD und  Grünen sah er damals ein mögliches politisches Zuhause. 

Zum Wendepunkt wurde schließlich eine persönliche Begegnung mit Kevin Kühnert. Die beiden führten ein Gespräch über Politik, das Parteileben und politische Arbeit in Deutschland. Boshra sagt, dieses Gespräch habe ihm geholfen, seine Zweifel zu überwinden, und ihn schließlich davon überzeugt, der SPD beizutreten.

Ausschlaggebend war für ihn dabei nicht allein sein Interesse an Politik. Auch konkrete politische Themen spielten eine Rolle. Besonders wichtig seien ihm soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, der Kampf gegen Rassismus und feministische Politik.

Aus dem Beobachter wurde damit zunehmend ein politisch aktiver Mensch. Sein Weg führte ihn von der Lektüre und dem Interesse am öffentlichen Leben über erste parteipolitische Aktivitäten bis hin zu den Funktionen innerhalb der SPD und seiner Arbeit im deutschen Bundestag.

Die Sprache: die erste Prüfung

Der Einstieg in das politische Leben war dennoch nicht einfach. Eine der größten Herausforderungen war für Boshra die deutsche Sprache. Als Ägypter begann er sein politisches und akademisches Leben in einer Sprache, die nicht seine Erstsprache ist. Dabei ging es nicht nur darum, Deutsch zu lernen. Er musste auch lernen, sich innerhalb der Partei auszudrücken, an politischen Diskussionen teilzunehmen und vor anderen Reden zu halten.

Gerade politische Reden auf Deutsch zu halten, seie anfangs äußerst schwierig gewesen, erzählt Boshra. Er habe kontinuierlich an seiner Ausdrucksweise, seinem Stil und seiner Überzeugungskraft arbeiten müssen. Unterstützung habe er dabei von Menschen aus der Partei erhalten. Diese hätten ihn ermutigt, angeleitet und geschult. Dadurch habe er die Möglichkeit erhalten, Schritt für Schritt sicherer zu werden und sich politisch weiterzuentwickeln.

Neben der Sprache beschreibt Boshra den Umgang mit Rassismus als eine der schwierigsten Erfahrungen, die er in Deutschland gemacht habe. Für ihn ging es dabei nicht nur darum, einzelne rassistische Situationen zu bewältigen. Die Erfahrung sei vielmehr auch zu einer Prüfung seines Selbstvertrauens geworden. Die Herausforderung habe darin bestanden, Rassismus entgegenzutreten, ohne den Glauben an sich selbst zu verlieren oder die Themen abzuschwächen, für die er politisch arbeite.

Vom Gegenstand der Politik zum Gestalter

Seine Erfahrungen als Ägypter und ausländischer Student in Deutschland habe seinen Blick auf Migration und Integration grundlegend verändert, sagt Boshra. Durch seine politische Arbeit betrachte er die Themen aus einer anderen Perspektive: Er sei nicht mehr nur jemand, der von Migrations- und Integrationspolitik betroffen sei, sondern er beteilige sich an der Debatte, wie diese Politik gestaltet werden soll.

So sprächen Politiker:innen häufig über junge Araber:innen, die neu nach Deutschland kommen, und darüber welche Politik ihnen gegenüber verfolgt werden sollte. Boshra findet das nicht akzeptabel. Jungen Menschen mit Migrationsgeschichte sollten nicht nur Gegenstand politischer Debatten sein, sondern selbst daran teilnehmen können. „Ich bin ein junger Araber, warum sollte ich also nicht auch Teil der Debatte sein?“, fragt er.

Seiner Ansicht nach sollten junge Menschen mit Migrationsgeschichte nicht nur die politischen Entscheidungen über sich verfolgen. Sie sollten an ihrer Ausarbeitung mitwirken, mit Entscheidungsträger:innen diskutieren und ihnen widersprechen können – und letztlich selbst Verantwortung in politischen Entscheidungsprozessen übernehmen. 

Sein Ehrgeiz endet deshalb nicht bei der bloßen Teilnahme an politischen Debatten. Boshra möchte eines Tages selbst ins Parlament einziehen und an der Gestaltung von Politiken mitwirken. Im Mittelpunkt stehen dabei Gerechtigkeit, Menschenwürde und Menschenrechte sowie soziale oder wirtschaftliche Fragen.

Zwischen Politikwissenschaft und politischer Praxis

Zwischen seinem Studium, seiner Parteiarbeit und seiner Arbeit in der Politik die Balance zu finden, sei nicht einfach, sagt Boshra. Er arbeite lange Stunden und sei dabei weitgehend auf sich allein gestellt. Er ist jedoch der Ansicht, dass sich die drei Bereich gegenseitig ergänzen. 

Das Studium der Politikwissenschaft vemittle ihm die theoretischen Grundlagen. Die Parteiarbeit bringe ihn unmittelbar mit politischen Debatten und Menschen in Kontakt. Seine Arbeit im Bundestag ermögliche ihm wiederum einen Einblick in staatliche Institutionen, ihre Funktionsweise und in bürokratische Abläufe, die sich weder an der Universität noch allein durch politische Aktivität erschließen ließen.

Auch seine akademische und persönliche Erfahrung in Deutschland habe eine wesentliche Rolle bei seiner Entscheidung für die politisch Arbeit gespielt. Bereits im Vorbereitungsjahr beschäftigte er sich mit dem deutschen Grundgesetz, den Mechanismen der Demokratie und dem Mehrparteiensystem. Das weckte seine Neugier und seinen Wunsch, sich selbst einzubringen. 

Einige seiner Dozent:innen seien anfangs nicht begeistert gewesen, dass er sich in der Parteiarbeit engagieren wollte. Boshra selbst versteht politische Beteiligung jedoch nicht nur als Erweiterung seines Studiums. Für ihn ist sie Ausdruck der Rolle eines Bürgers, der an politischen Entscheidungen und an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken möchte.

Auch die Erfahrung von Transparenz und Offenheit in deutschen Institutionen habe ihn geprägt. Die Möglichkeit, direkt mit staatlichen Einrichtungen und dem Parlament zu kommunizieren, Verantwortlichen Fragen und politische Prozesse aus der Nähe zu erleben, zhaben seine Überzeugung gestärkt, die Gesellschaft nicht nur zu beobachten. Er wolle vielmehr versuchen, sie zu verändern – so weit es ihm als junger Ägypter, der nach Deutschland gekommen ist, möglich ist.

Lies Amal auf Deutsch!

Bevorzugen Sie Deutsch? Entdecken Sie Amals Inhalte und Neuigkeiten auf Deutsch.

Auf Deutsch wechseln