Die deutsch-iranische Autorin Shida Bazyar hat den Deutschen Buchpreis 2026 für ihren Roman Die Lücken gewonnen. Die Entscheidung wurde bei einer feierlichen Zeremonie im Kaisersaal des Frankfurter Römers bekannt gegeben. Der Deutsche Buchpreis zählt zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Er wird jährlich kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse verliehen.
Der Roman Die Lücken spielt in der fiktiven Stadt Heimsbach, die Bazyar nach dem Vorbild ihres Heimatortes Hermeskeil im Hunsrück gestaltet hat. Die Autorin wurde 1988 dort geboren. Ihre Eltern waren ein Jahr zuvor nach Deutschland eingewandert, um der politischen Unterdrückung in der Islamischen Republik Iran zu entkommen.
Ein Roman gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit
Wie die Tagesschau berichtet, setzt sich Bazyar in Die Lücken mit der NS-Vergangenheit der Region auseinander, in der sie selbst aufgewachsen ist. Die Autorin zeichnet in ihrem Roman die Geschichte einer Kleinstadt über einen Zeitraum von nahezu einem Jahrhundert nach. Anhand der Lebensweg unterschiedlicher Figuren beleuchtet sie Kapitel der deutschen Geschichte, die bewusst vergessen oder verschwiegen wurden.
Die Jury des Deutschen Buchpreises würdigte das Werk als vielschichtigen und weit ausgreifenden Roman, der weit über die Geschichte eines einzelnen Dorfes hinausgeht und grundlegende Fragen der deutschen Gesellschaft aufwirft. Durch wechselnde Perspektiven, unterschiedliche Sprachstile und die Verknüpfung verschiedener historischer Epochen mach Bazyar bislang wenig gehörte Sichtweisen auf die Vergangenheit literarisch sichtbar Die Jury bezeichnete das Buch zudem als „einen Roman gegen die Gleichgültigkeit“.
Ein des Romans schildert das Schicksal jüdischer Familien in den 1930er Jahren: Sie werden zunächst aus der Gesellschaft ausgestoßen, anschließend in Konzentrationslager deportiert und schließlich ermordet. Gleichzeitig wird ein Blick auf jene geworfen, die vom NS-Regime profitierten. Der Roman zeigt, wie Rassismus und soziale Ausgrenzung über Generationen hinweg weitergegeben werden und in veränderter Form auch in der Gegenwart fortbestehen können.
Jüdische Familien, NS-Profiteure und migrantische Perspektiven
Eine zentrale Besonderheit von Die Lücken ist die Verbindung unterschiedlicher Epochen und Lebensgeschichten. Neben den jüdischen Figuren und Unterstützer:innen sowie und Profiteuren des NS-Regimes treten kurdische und iranische Geflüchtete auf. So stehen Vergangenheit und Gegenwart in einem fortwährenden Dialog. Dabei stellt der Roman eine grundlegenden Frage: Wie geht eine Gesellschaft mit ihrer Geschichte um? Und und woran lässt sich erkennen, dass sie aus ihr gelernt hat.
Nach der Preisverleihung sagte Bazyar, dass es ihr nicht leichtfalle, sich über eine Auszeichnung für ein Buch mit einem derart schwerwiegenden Thema zu freuen. Angesichts judenfeindlicher und rassistischer Straftaten in Deutschland warnte sie davor, keine Minderheit dürfe das Gefühl haben, in diesem Land nicht sicher zu sein. Mit Verweis auf Hannah Arendt betonte sie die individuelle und gesellschaftliche Verantwortung gegenüber, der Gleichgültigkeit entgegenzutreten.
Wichtige Literaturauszeichnungen
Der Deutsche Buchpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Bazyar gewann die Auszeichnung unter sechs Autor:innen durch die es ebenfalls auf die Shortlist geschafft hatten. Insgesamt hatte die Jury 205 veröffentlichte Romane geprüft, bevor sie ihre Entscheidung tr
Im November soll Bazyar darüber hinaus mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet werden. Damit setzt die Autorin ihren Erfolg fort. In ihrem literarischen Werk verbindet sie die historische Aufarbeitung mit Fragen von Migration, Rassismus und kollektivem Gedächtnis – Themen, die auch ihrem preisgekrönten Roman stehen.