Die erste Woche Training in der Amal News Journalistenschule Damaskus ist geschafft und es war toll, aufregend und wir haben alle eine Menge gelernt.

In erster Linie ging es darum, aus den 15 Einzelpersonen, die wir zuvor im Bewerbungsprozess sorgfältig ausgewählt hatten, zu einer Gruppe, zu einem Team zu machen. Dazu haben wir viel Zeit genommen, dass alle mit allen ins Gespräch kommen. Dabei ging es um ganz persönliche Fragen – wo waren sie am Tag, als Bashar al Assad gestürzt wurde, aber auch um grundlegende Fragen der journalistischen Ethik. Wie ist der Zusammenhang zwischen Pressefreiheit und Hate Speech auf Social Media? Oder: Was für Medien braucht Syrien in dieser Phase des Übergangs?


Viel zu diskutieren
Natürlich spielen auch die aktuellen Ereignisse eine Rolle und davon gab es diese Woche reichlich: So tagte zum ersten Mal das Parlament und es wurde viel diskutiert, ob eine solche, zum großen Teil vom Präsidenten Ahmad al-Sharaa ausgesuchte Versammlung von Einzelpersonen den Namen Volksvertretung verdient? Oder ist es vielleicht genau richtig, in diesen Zeiten des Neuanfangs Schritt für Schritt vorzugehen und zunächst eine Verfassung, dann ein Parteiengesetz zu verfassen und erst dann an Wahlen zu denken. Zeitgleich ging auch der Prozess gegen den früheren Mufti von Syrien Ahmad Badr al-Din Hassoun weiter. Ihm wird vorgeworfen, seinen religiösen Einfluss missbraucht und die Tötung von Oppositionellen unter dem früheren Regime religiös gerechtfertigt zu haben. Auch wurde ein wichtiges Luftfahrt-Abkommen zwischen Deutschland und Syrien unterschrieben. Auf das Abkommen haben viele Syrer:innen in Deutschland gewartet, weil es Grundlage für Direktflüge zwischen Berlin und Damaskus ist. Natürlich geht es aber in diesem Zusammenhang auch um freiwillige Rückkehr und Abschiebung aus Deutschland nach Syrien.
Es passiert viel, aber in Deutschland interessiert man sich vor allem für Rückkehr
„Es ist schade. Es passiert so viel in Syrien im Moment, aber das einzige Thema, zu dem ich Artikel an deutsche Zeitungen verkaufen kann, ist das Thema Rückkehr“, erzählt Mohammad Rabie. Der Journalist berichtet regelmäßig aus Syrien für deutsche Medien. All diese Ereignisse der vergangenen Woche wurden überschattet von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Seit herauskam, dass der Anschlag auf den Besuch des französischen Präsidenten Emanuel Macron auf das Konto einer Zelle des Islamischen Staates geht, herrscht in Damaskus erhöhte Alarmbereitschaft. Sicherheitskräfte im schwarzen Kampfdress und mit Maschinenpistolen sind im Stadtbild nicht zu übersehen.

Für die 15 Teilnehmenden der Journalistenschule ist die offene Diskussion über die verschiedenen Aspekte des Nachrichtengeschehens ebenso neu, wie Schlagabtausche darüber, was eigentlich Pressefreiheit ist. Im Laufe der Woche, wurden die Diskussionen immer intensiver, mutiger und zugleich entwickelte sich so viel Vertrauen zwischen den angehenden Journalist:innen, dass sie gut miteinander lachen konnten.

Ein guter Start, um jetzt richtig loszulegen. Ihr erstes journalistisches Assignment: Einen Artikel über unseren Besuch im Nationalmuseum verfassen. Deadline ist Samstag Nachmittag, damit wir am Sonntag darüber diskutieren können. Ein Museumsbesuch hört sich als Thema erstmal nicht so aufregend an? Tatsächlich gibt es in dem wunderbar designten Museum mit dem ausladenden Skulpturen Garten nicht nur viele Katzenbabies zu entdecken. Seit kurzem ist da die neue Touristenpolizei mit neuer sportlicher Uniform wieder im Einsatz. Es gibt zwar noch kaum Tourismus, aber man ist bereit. Zudem bereitet sich das Museum darauf vor, die vom französischen Präsidenten zurückgebrachten Antiquitäten wieder aufzunehmen. In Syrien wird die Rückgabe der früher entwendeten Skulpturen aus Vertrauensbeweis gefeiert. Ganz offenbar hat man in Frankreich Vertrauen in das neue Regime, dass es besser auf die Antiquitäten aufpassen kann, als die alte Regierung. Eine Sonderausstellung im Museum ist den illegalen Grabungen in den letzten Jahren unter Bashar al-Assad gewidmet.
