Mit dieser Frage wendet sich Amal News-Redakteurin Tamriko Shoshyashvili an unsere ukrainischen Leser:innen und greift damit einen offensichtlichen Trend in der ukrainischen Community auf: Die Ukrainer:innen in Deutschland merken, dass viele Deutsche nachrichtenmüde sind. Das gilt besonders für Kriegsnachrichten über die Ukraine. So verschwinden Ukraine-Themen aus den Alltagsgesprächen. Aber, wenn nicht einmal mehr im direkten Kontakt mit Geflüchteten an den Krieg in der Ukraine erinnert wird, wann dann?
Tamriko Shoshyashvili beleuchtet in ihrem Artikel den Zusammenhang zwischen den guten Wahlergebnissen der AfD bei den letzten Wahlen und dem Nachlassen des Interesses an Ukraine-Themen. Hier geht es einerseits darum, dass ein Thema ein anderes verdrängt, aber sie sieht auch eine neue Logik und dass ein wachsender Teil der Bevölkerung dafür ist, den Krieg zu Ungunsten der Ukraine zu beenden. Nach dem Motto: Hauptsache vorbei.
Sie beobachtet, dass viele Ukrainer:innen in ihrem Umfeld deswegen weniger über den Krieg in der Ukraine sprechen. „Ihr merkt, dass das Interesse zurückgeht und vermeidet das Thema deswegen? Das ist verständlich, aber bitte tut das nicht!“, so ihr dringender Appell.
Es sei vielmehr Zeit, eine neue Art der Ansprache zu finden: Es gelte interessante Themen aufgreifen, die etwas mit den Gesprächspartnern zu tun haben. In diesem Newsletter haben wir einige Beispiele für solche Themen zusammengestellt.
Kenne Deine Feinde!
Was wissen Sie über Drohnen? Angesichts der Weltlage ist es an der Zeit, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Der Story Bunker in Berlin zeigt eine passende Ausstellung. Zu sehen sind russische Drohnen, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Große, kleine, teure und welche für den kleinen Geldbeutel, die aber immerhin einen normalen Kleinbus zerstören und die Fahrgäste darin töten können.
Enno Lenze und Wieland Giebel, beide waren als Kriegsjournalisten in der Ukraine, haben an der ukrainischen Front Drohnen eingesammelt, untersucht und dokumentiert, wie sie funktionnieren. Für diese Ausstellung bietet der ansonsten oft sehr beklemmend wirkende alte Weltkriegsbunker in Berlin- Mitte eine geradezu beruhigende Atmosphäre. Hier geht es zum Video von Nana Morozova und Anna Skrypniak

Spuren deutscher Verbrechen
Die Aufarbeitung der Verbrechen der Wehrmacht in der Ukraine ist gerade erst am Anfang. Während die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung beispielsweise in Polen inzwischen gut dokumentiert ist, zeigt die Geschichtsschreibung im Bezug auf die Ukraine noch große Lücken. Diese zu schließen hat sich das Arolsen Archive zum Ziel gesetzt. H-Files heißt das Projekt, das die Bestände kleiner Stadtmuseen, privater Sammlungen und sogar einzelner Pappkartons, die auf privaten Dachböden in der Ukraine aufbewahrt werden, dokumentiert. Oft ist es ein Foto in einem Fotoalbum, das zufälligerweise nicht weggeschmissen oder auf der Flucht vor dem neuen Krieg zurückgelassen wurde, das Lücken schließen kann. So rätselten Historiker:innen lange, wer diese Gefangene im KZ Auschwitz war. Was ist ihre Geschichte?

Dann tauchte in einem privaten Fotoalbum dieses Bild auf und die Frau bekam einen Namen und eine Geschichte.

| Es handelt sich um die Apothekerin Hanna Schewtschuk, die von den Nazis zur Zwangsarbeit nach Österreich verschleppt, später nach Ausschwitz deportiert wurde und den Todesmarsch überlebte. In den 1950er Jahren arbeitete sie in einem ukrainischen Dorf in der Apotheke. Hier geht es zum Artikel von Darka Gorova über die Rettung kleiner Archive aus der umkämpften Ukraine. |
Schöner schenken
„Wir haben den Markt für Souvenirs untersucht, die deutsche Firmen normalerweise als Geschenke für ihre Mitarbeiter und Kunden bestellen. Und was wir gesehen haben, hat uns nicht gefallen“, sagt Nazarii Pankevych. „Es sieht, sagen wir mal, cringe aus.“ Der 23-jährige Unternehmer ist überzeugt, dass deutsche Firmen bei ihren Geschenken neue Wege können. Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Anastasiia Molodii will er zeigen, dass es dafür nicht nur gute Ideen, sondern auch starke Partner:innen in der Ukraine gibt. So haben die beiden das Label Turbotagifts entwickelt.
Sie bieten Firmen originelle Sets als Merch an. Da gibt es beispielsweise Duftkerzen, die ganz besondere, schöne Erinnerungen wachrufen sollen: An sonnige Stunden im Garten mit dem Geruch von frischer Erde und Tomatenlaub oder an die Heimeligkeit eines Altbauhinterhofs mit einer Mischung aus ÖL- und Farbe- und Grillgeruch. Alle Produkte werden von kleinen Firmen in der Ukraine hergestellt. Wer bestellt, hilft Menschen beim Überleben. Hier geht es zum Artikel auf Deutsch von Nana Morozova über das außergewöhnliche ukrainische Start-up.
