Der syrische Informationsminister Dr. Khaled Zaarour hat bei einem Rundgang durch die Syrische Medienakademie im Zentrum von Damaskus die Amal News Journalistenschule besucht. Dabei informierte er sich über die laufende journalistische Ausbildung und sprach mit den Teilnehmer:innen der Lehrredaktion.
Zaarour betonte die Bedeutung kontinuierlicher Weiterbildung im Journalismus. Journalistisches Arbeiten erfordere fortlaufendes Training, Wissen und Austausch. Auch erfahrene Journalist:innen müssten ihre Arbeitsmethoden und Werkzeuge kontinuierlich weiterentwickeln.
Besonders wichtig sei die Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung hervor. Die Ausbildung ermögliche es den Teilnehmer:innen, das Erlernte unmittelbar in der journalistischen Praxis anzuwenden.
Syrien befinde sich in einer historischen Phase, in der der Journalismus einen qualitativen Wandel erlebe, wie ihn das Land seit Jahrzehnten nicht gesehen habe. Initiativen wie die Amal News Journalistenschule Damaskus könnten dabei die syrische Medienlandschaft bereichern und neue Perspektiven eröffnen.
Investigativ recherchieren, Quellen prüfen
Der Besuch des Ministers fiel in einer Trainingsphase, in der sich die Lehrredaktion mit investigativem Journalismus beschäftigte. Geleitet wurde das Training von dem Journalisten und Trainer Mohammed Rabie, der während seiner mehrjährigen Tätigkeit in Deutschland an umfangreichen investigativen Recherchen gearbeitet hatte, bevor er nach Syrien zurückkehrte, um dort journalistisch zu arbeiten.
Im Mittelpunkt standen grundlegende Fragen der Recherche: Wie lassen sich Quellen überprüfen? Wie werden Informationen gesammelt, miteinander abgeglichen und eingeordnet? Und wie können Journalist:innen ein belastbares Netzwerk aus Kontakten und Beziehungen aufbauen, das auch Zugang zu schwer zugänglichen Informationen ermöglicht?
Wenn sich Informationen widersprechen
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf dem Erkennen und Überprüfen von Desinformation. Unter Leitung des Journalisten Haytham Abo Taleb beschäftigte sich die Lehrredaktion mit der Frage, wie sich Nachrichten und Informationen verifizieren lassen, die über über soziale Netzwerke verbreitet werden.
Die Teilnehmer:innen lernten verschiedene digitale Werkzeuge zur Verifikation kennen und übten, Inhalte kritisch zu analysieren. Denn Journalisti:nnen müssen in der Lage sein, Widersprüche, Schwächen und mögliche Formen der Desinformation zu erkennen.
Eine zentrale Übung bestand darin, vier Nachrichten oder Themen auszuwählen, die zu diesem Zeitpunkt auf den Straßen Syriens diskutiert wurden. Die Teilnehmer:innen teilten sich anschließend in vier Teams auf, um Menschen direkt zu befragen. Die Gespräche machten deutlich, wie unterschiedlich der Informationsstand der Befragten war und aus welchen Quellen sie ihre Informationen bezogen hatten.
Filmen, Videoschnitt und journalistisches Erzählen
Neben der Recherche und Verifikation gehören auch das Filmen und der Videoschnitt zum Ausbildungsprogramm der Amal News Journalistenschule Damaskus. Für die praktische Arbeit wurden den Teilnehmer:innen die notwendigen Geräte und Ausrüstungen zur Verfügung gestellt. Der Videoschnitt folgt dabei nicht nur technischen, sondern auch gestalterischen Anforderungen. Schnitt, Bildauswahl und Erdzählstrultur entscheiden wesentlich darüber, wie ein journalistischer Beitrag beim Publikum ankommt.
Gerade in den sozialen Medien ist die Konkurrenz um Aufmerksamkeit groß. Journalist:innen müssen deshalb nicht nur relevante Themen recherchieren, sondern sie auch visuell und erzählerisch überzeugend vermitteln können. Eine starke journalistische Idee allein genügt häufig nicht. Entscheidend sind ebenso ein präziser Einstieg, eine nachvollziehbare Dramaturgie und Bildmaterial, das die Zuschauer:innen von den ersten Sekunden an hält.
Die Deutsch-Syrische Schule für Journalismus ist ein Projekt der Amal News gGmbH in Berlin und wird in Partnerschaft mit der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie der deutschen internationalen Zusammenarbeit umgesetzt. Der aktuelle Workshop ist der zweite Ausbildungsgang des Projekts. Der erste Jahrgang wurde Ende Juni des vergangenen Jahres abgeschlossen.
Text: Abdolrahman Omaren