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Über meine Erfahrung in Syrien

Journalistenschule in Damaskus ©Abdolrahman Omaren/Amal News
Journalistenschule in Damaskus ©Abdolrahman Omaren/Amal News

Ich war schon immer hin- und hergerissen zwischen zwei Berufen: Lehrerin oder Journalistin. Als ich mein Abitur machte, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Die Wahl war für mich klar. Nicht, weil ich das Unterrichten bevorzugte, sondern weil mir die politische Lage in Syrien nicht den Luxus ließ, bei der Wahl zu zögern.

Ich entschied mich ohne Zögern, Arabisch zu studieren, denn ich sah keine Zukunft für vernünftigen, freien Journalismus in Syrien unter der Regierung der Al-Assads. So wurde ich Arabischlehrerin. Vielleicht auch, weil ich die arabische Sprache liebe, ihre Poesie und Prosa und die Komplexität ihrer Grammatik, betrat ich das Klassenzimmer jedes Mal voller Vorfreude, als wäre es das erste Mal. Ich empfand in den sechzehn Jahren, die ich im Unterricht verbrachte, keine Langeweile. Als ich Syrien in Richtung Türkei verließ und von dort nach Hamburg weiterzog, öffnete mir das Unbekannte eine andere Tür, eine Tür, die ich für verschlossen hielt. Eine Tür, die mich von meinem Beruf als Arabischlehrerin entfernte, die aber auf andere Weise meine Beziehung zur Sprache selbst vertiefte.

Meine Beziehung zur arabischen Sprache

Vielleicht habe ich das Unterrichten nie ganz aufgegeben und den Journalismus nie bei null begonnen. Vielleicht näherte ich mich der Sprache all die Jahre über auf zwei verschiedenen Wegen: einmal, indem ich sie lehrte, und einmal, indem ich in ihr schrieb.

Obwohl mich die Art meiner Arbeit der Sprache, die ich liebe, nahebrachte, fehlte doch etwas: die Freude am Unterrichten. In den vergangenen Jahren hätte ich nie gedacht, dass mir das Leben zurückgeben würde, was ich verloren hatte, als ich Syrien verließ. Doch das Leben hatte eine andere Meinung.

Der Sturz der Regierung von Bashar al-Assad machte es möglich

Mit dem Sturz des Assad-Regimes taten sich plötzlich neue Perspektiven auf. Lange hatte ich nicht einmal davon zu träumen gewagt, nach Syrien zu reisen. Konkret wurde mein Noch greifbarer wurde die Sache durch das Projekt, das die Plattform Amal News in Damaskus beginnen wollte. Weil die Förderer kultureller Projekte offen für die Idee waren, in Syrien zu arbeiten, wurde aus der Idee ein reales Projekt. Was zunächst den Namen „Sommerschule für Journalismus“ trug, wurde zur „Amal News Deutsch-Syrische Schule für Journalismus“.

Als ich gefragt wurde, ob ich Teil des Trainerteams sein wolle, zögerte ich keinen Augenblick. Die Vorstellung, nach zehn Jahren der Abwesenheit nach Syrien zurückzukehren, verbunden mit der Idee, für ein erschöpftes Land zu arbeiten, das jemanden braucht, der ihm die Hand reicht, selbst wenn es nur eine kleine Arbeit ist, war für uns alle ein großer Antrieb. Für mich persönlich war die Rückkehr zu dem Beruf, der meinem Herzen am nächsten steht, ein Traum, dessen Verwirklichung unmöglich schien.

Ich war sehr glücklich über die Teilnahme und spürte große Begeisterung, als würde sich vor meinen Augen eine Brücke zwischen zwei Hoffnungen spannen, von Hamburg nach Damaskus. Diese Brücke verband mich mit jungen Frauen und Männern, die Talent, Bewusstsein und den Wunsch zu lernen besitzen.

Das weitergeben, was ich gut kann

Mit Beginn der Koordination wählte jede und jeder von uns einen Bereich der Ausbildung. Ich entschied mich für den sprachlichen Bereich, also für die Entwicklung sprachlicher Formulierungsfähigkeiten und des korrekten journalistischen Schreibens. Das geschah anhand einer Reihe von Themen zur arabischen Sprache. Dazu gehörten Grammatik- und Rechtschreibregeln, Grundlagen journalistischer Formulierung sowie eine Einführung in die häufigsten sprachlichen Fehler, die Journalistinnen und Journalisten beim Schreiben von Nachrichten und Berichten machen können.

Das Ausbildungsprogramm umfasste auch einen praktischen Teil. Er konzentrierte sich auf stimmliche Ausdrucksfähigkeiten, durch spezielle Übungen zur Atmung und zur Kontrolle der Stimmlagen, durch Training der Artikulationsstellen und der korrekten Aussprache sowie durch Anwendungen im Bereich des Voice-over.

Die Schulungen umfassten außerdem Methoden zur Präsentation von Nachrichten und Berichten in Hocharabisch und auch in einem eher umgangssprachlichen Arabisch, angepasst an die Art des Inhalts und das Zielpublikum. Das trägt dazu bei, Informationen klar und flüssig zu vermitteln.

Das macht Hoffnung

Drei Einsätze als Trainerin haben mir ein Gefühl gegeben, das ich bis heute nicht beschreiben konnte: eine Mischung aus Liebe und Stolz und vor allem Hoffnung. Hoffnung auf die Fähigkeit dieser jungen Frauen und Männer, etwas zu verändern. Nicht nur durch die Fähigkeiten, die sie besitzen, sondern auch durch das Bewusstsein, die Offenheit und den Wunsch, eine andere Zukunft aufzubauen.

Während ich sie dabei beobachtete, wie sie schrieben, übten und ihre Stimmen entdeckten, wurde mir klar, dass ich mich vom Unterrichten nie wirklich entfernt hatte, wie ich immer geglaubt hatte. Vielleicht hat mich das Leben weit weg vom Klassenzimmer geführt. Doch es hat mich auf eine Weise dorthin zurückgebracht, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Dieses Mal kehrte ich nach Damaskus zurück. Nicht nur als Arabischlehrerin und nicht nur als Journalistin, sondern als Mensch, der zwei Wege mit sich trägt, die ich lange für getrennt hielt. Doch ich entdeckte, dass die Sprache immer der Raum war, der beide zusammenführt. Mal lehre ich sie, mal schreibe ich in ihr. Vielleicht habe ich deshalb heute nicht mehr das Gefühl, auf meine alte Frage antworten zu müssen: Was liegt mir mehr am Herzen, das Unterrichten oder der Journalismus? Denn ich habe erkannt, dass ich in beiden Fällen die Sprache gewählt habe, die ich liebe.

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