Dieser Text entstand im Rahmen der Ausbildung an der Amal News Journalistenschule Damaskus. Lilian Asaad hat ihn geschrieben.
Ich betrat das Nationalmuseum in Damaskus auf der Suche nach Altertümern, die Syrien kürzlich zurückerhalten hat. Doch ich verließ es auf der Suche nach etwas ganz anderem: der syrischen Frau.
Da es das erste Mal war, dass ich das Nationalmuseum nach der Befreiung besuchte, trieb mich die Neugier an, zu sehen, was neu ist.
In Begleitung einer Gruppe von Kollegen und Kolleginnen erreichten wir am Donnerstagmorgen im Rahmen eines von der Deutschen Journalistenschule organisierten Besuchs das Museum. Die Luft im Museumsgarten war warm und ruhig. Die Altertümer waren auf beeindruckend kunstvolle Weise eingebettet.
Ich blieb vor dem umayyadischen Tor stehen. Ich weiß, vielleicht ist das Wort „umayyadisch“ in den täglichen Diskussionen unter den Syrern inzwischen abgenutzt. Aber heute spürte ich für einen Moment die Größe jener architektonischen Epoche. Das Tor ist ihr Zeuge!
Durchs magische Tor auf Zeitreise
Ich eilte schnell auf das Tor zu, als wäre ich durch ein magisches Tor gegangen, das mich in ein Syrien vor Tausenden von Jahren versetzte. Ich ging direkt zu dem Begrüßungstext, der auf die Rückführung syrischer Altertümer hinweist, und fragte den Reiseführer lächelnd: „Sind die Altertümer Syriens, die aus Frankreich gekommen sind, da?“ Er antwortete mir: „Ja, sie sind da, aber sie werden noch nicht ausgestellt.“ Das Lächeln verschwand rasch. Ich nickte ihm dankend zu und wandte mein Gesicht dann zur Abteilung für klassische Altertümer und zur Welt der Frauen. Wahrlich: Die Größe der Persönlichkeiten dort ließ mich sprachlos vor den Stücken stehen. Jedes Stück erzählt eine Geschichte, die ausreicht, um jemandem, der sie nicht kennt, die Geschichte Syriens zu erklären.
In den Hallen des Museums und während meines Rundgangs fühlte ich Stolz, Syrerin zu sein. Ich dachte, dieses Gefühl sei längst verschwunden. Doch als ich die weiblichen Statuen und Skulpturen betrachtete, die die Welten der Frauen als Führerinnen und Erbauerinnen von Nationen und Zivilisationen dokumentieren, die ihre Kultur in die ganze Welt trugen, gewann ich dieses Gefühl vielleicht für kurze Zeit zurück.
Die Frauen spielten im alten Syrien eine größere Rolle
Hier stand ich vor der Göttin Athena, die in Syrien ein Symbol für Stärke und Weisheit war. Sie blickte mich mit seit zweitausend Jahren gemeißelten Augen an, während ich in eine Gegenwart blickte, in der die Frau noch immer nach ihrem Platz sucht. Ich konnte meinen Geist angesichts der vielen Fragen nicht zügeln und fragte mich laut: Was ist geschehen, und wo ist die Frau, die vor tausend Jahren da war? Diese Skulpturen stellten mich vor einen harten Widerspruch zur Rolle der Frau heute.
Syrien, dessen Frauen in den Jahren der Revolution eine Quelle der Stärke und Inspiration waren, Arbeiterinnen und Aktivistinnen, die Teures bezahlten, damit das Land in seine neue Ära eintritt, von der es geträumt hatte. Doch ihr Traum prallte schnell auf eine neblige Realität, die die Frau vielleicht zu bloßem Schmuck machte, wie die Verzierungen, die ich dort sah. Denn mit dem Machtwechsel im Land wurden Frauen zum Gegenstand einer Debatte, die von Zeit zu Zeit immer wieder aufkommt.
Die jüngste Station dieser Debatte war ihr Anteil an der Vertretung im Parlament. Und diese Statue erschien mir wie ein visueller Protest, angeführt von der syrischen Frau, wie jener Protest, den sie in Aleppo gegen den niedrigen Anteil veranstalteten, den sie als nicht gerecht gegenüber ihrem zivilen revolutionären Kampf betrachteten.
Ich ging anders, als ich gekommen war
Als ich das Museum verließ, ließ ich Königinnen aus Stein hinter mir, die die Geschichte besitzen, und ging hinaus auf die Straßen von Damaskus, um nach einem Platz für die Frau in einer Gegenwart zu suchen, die eine neblige Zukunft formt. Ich dachte, dass der wahre Test für den Erfolg der neuen Ära nicht an Parolen gemessen wird, sondern daran, in welchem Maß die syrische Frau in den Zentren souveräner Entscheidungsfindung gestärkt wird, damit sie ein untrennbarer Teil beim Aufbau eines großen Landes ist, von dem wir träumen, so wie es früher war. Damit nicht eines Tages, nach tausend Jahren, ein syrisches Mädchen dieses Museum betritt und von den Frauen dieser Zeit keine erwähnenswerte Spur findet.
Text: Lilian Asaad
Übersetzung: Amal Editor