Am 8. Juni fand in Berlin eine für die europäische Sicherheit bedeutende Veranstaltung statt: das Forum New Age Defence. Es war neuen Verteidigungstechnologien, unbemannten Systemen und den einzigartigen Erfahrungen der Ukraine in der modernen Kriegsführung gewidmet.

Den Tagungsort erfuhren die Teilnehmer erst zwei Tage vor der Veranstaltung: einen der Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Am Eingang galten Sicherheitsmaßnahmen fast wie am Flughafen: Registrierung, Dokumentenkontrolle, gründliches Scannen mit einem handgeführten Metalldetektor. Das ist verständlich: Bei der geschlossenen Veranstaltung kamen Militärs, Politiker, Vertreter von Verteidigungsbehörden, Entwickler neuer Technologien und Hersteller von Verteidigungsprodukten zusammen.
Die EU-Drohnenmauer
New Age Defence Berlin wurde zu einer der ersten Plattformen dieser Größenordnung für den Erfahrungsaustausch und den Dialog über die Zukunft der europäischen Sicherheit. Zu den Hauptthemen des Forums gehörten die Idee einer „EU-Drohnenmauer“ und die Veränderung des Krieges durch Waffen der neuen Generation.
Der Krieg in der Ukraine hat die Vorstellungen Deutschlands von der eigenen Sicherheit tatsächlich verändert. Nach Jahrzehnten langsamer Verfahren und eines vorsichtigen Umgangs mit Verteidigungsausgaben erlebt die deutsche Rüstungsindustrie einen deutlichen Aufschwung. Und das Wichtigste: Die Zusammenarbeit zwischen der ukrainischen und der deutschen „Rüstungsindustrie“ geht bereits in konkrete gemeinsame Projekte über – mit Produktion, Erprobung und Rückmeldungen von der Front.
Deutsche Waffen für die ukrainische Front
Ein anschauliches Beispiel für diese Zusammenarbeit ist das im Ausstellungsbereich des Forums präsentierte bodengebundene Robotersystem GEREON des deutschen Unternehmens ARX Robotics. Es wird in München hergestellt. Das technische Support- und Servicebüro arbeitet in Kyjiw. Eingesetzt wird es an der ukrainischen Front – bereits seit etwa einem Jahr.
Im Kern ist es eine bodengebundene Variante einer Drohne: Ein Operator steuert sie aus der Ferne, und das unbemannte Bodensystem kann Missionen ausführen, etwa Lasten transportieren oder Verwundete vom Schlachtfeld evakuieren. Bei Bedarf können zusätzliche Konfigurationen für andere wichtige Einsätze integriert werden.

„Bodendrohnen“ made in Germany für die ukrainische Front
Nach Angaben der Vertreterin der Marketingabteilung von ARX Robotics, Inesa Posypai, hat das Unternehmen kürzlich einen neuen Vertrag abgeschlossen. Er sieht die Lieferung mehrerer hundert zusätzlicher GEREON-Systeme an die ukrainischen Verteidigungskräfte vor. Mit den Systemen, die im Einsatz sind oder zur Lieferung bestellt wurden, ist ARX Robotics der größte Lieferant westlicher unbemannter Bodensysteme für die Ukraine.
„Hier ist es für uns wichtig, zu zeigen, wie schnell wir derzeit wachsen und uns entwickeln. Und das ist ein allgemeiner Trend auf dem Verteidigungsmarkt. Eigentlich wird 2026 als das Jahr der bodengebundenen Robotersysteme bezeichnet. GEREON hat sich auf dem ukrainischen Schlachtfeld faktisch bewährt, und die Rückmeldungen von der Front ermöglichen es, unsere Systeme entsprechend den realen Bedürfnissen ständig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Das ist ein Feedback, das für uns als Hersteller sehr wertvoll ist“, sagte Inesa Posypai Amal News.
Ukrainische Front als Testgebiet für neue Waffensysteme
Auf der Ausstellung war auch die Produktion des ersten gemeinsamen deutsch-ukrainischen Rüstungsunternehmens Quantum Frontline Industries zu sehen – jenes Unternehmens, das im Februar 2026 feierlich von Präsident Wolodymyr Selenskyj und dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius eröffnet wurde. Dabei geht es unter anderem um die hochmoderne Drohne Linza. Die ersten Exemplare sind bereits an der Front. Bis Ende des Jahres sollen 10.000 Drohnen produziert werden.
Ein gesonderter Teil des Programms war der Combat Hub. Dort wurden moderne Kampftaktiken und der Einsatz unbemannter Systeme diskutiert. Die eigentlichen Stars waren ukrainische Militärs – Vertreter von „Chartija“, „Asow“ und den „Da Vinci Wolves“ teilten ihre Erfahrungen aus dem realen Krieg.
Der Leiter der Einheit für robotisierte Systeme des Bataillons „Da Vinci Wolves“, Oleksandr Jabtschanka, sagt: Für ihn habe die Teilnahme am Berliner Forum sowohl einen persönlichen als auch einen sehr praktischen Sinn.

„Ich bin hier aus Dankbarkeit. Deutschland hilft uns unter den EU-Ländern am meisten. Unsere Erfahrung beim Aufbau neuer Systeme der Kriegsführung ist meiner Meinung nach eine gemeinsame mit den Deutschen, denn sie haben uns geholfen standzuhalten und diese Erfahrung zu gewinnen“, sagte Oleksandr Jabtschanka in einem Kommentar für Amal News.
Ukraine erfindet, Deutschland skaliert
Hinter der Dankbarkeit des Kommandeurs steht aber auch eine pragmatische Kalkulation: Die ukrainischen technologischen Lösungen müssen schnell skaliert werden – und dabei geht es nicht ohne Europa. „Wir sind Meister darin, technologische Lösungen zu erfinden und Probleme zu lösen. Aber dann überholen uns die Russen bei der Skalierung dieser Lösungen, weil Russland schlicht größer ist als die Ukraine. Aber Russland ist deutlich kleiner als Europa. Wenn wir gemeinsam mit Europa lernen, unsere erfolgreichen Lösungen zu skalieren, wird Russland dadurch verlieren. Und das ist unsere gemeinsame Aufgabe“, betonte Jabtschanka.
Workshops für DIY-Drohnen
Neben den Produkten der Giganten der Rüstungsindustrie wurden auf dem Forum auch einfachste FPV-Drohnen präsentiert, die buchstäblich auf dem Arbeitstisch gebaut werden. Genau jene, die im Volksmund liebevoll „Vögelchen“ genannt werden. Es stellt sich heraus, dass Freiwillige sie nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Deutschland zusammenbauen. Das Unternehmen Drone Aid mit Niederlassungen in Berlin, München und mehreren anderen Städten organisiert regelmäßig Workshops für alle Interessierten. Man muss nur für alle Ersatzteile spenden – und kann ein „Vögelchen“ eigenhändig bauen.

Die Freiwillige Alisa Dobryden aus München wurde als aktive Teilnehmerin solcher Workshops zum Forum eingeladen. „Ich habe schon drei gebaut, und vor Kurzem hat sich auch mein 17-jähriger Sohn angeschlossen“, erzählte Alisa Amal News stolz. Ihre vierte Drohne baute sie geschickt am Stand in Berlin zusammen.
Quelle: amalnews.de