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Schuften in Istanbul. Kämpfen in Hamburg.

Der Kampf um einen sicheren Aufenthalt prägt das Leben von Ismail.
Foto: Volker Hoschek/epd
Der Kampf um einen sicheren Aufenthalt prägt das Leben von Ismail. Foto: Volker Hoschek/epd

Er saß ruhig in der Nähe des Bahnhofs und wartete auf mich. Er wirkte besorgt. Er hatte Unterricht und wollte sich nicht verspäten. Seine Gesichtszüge ließen erkennen, dass er zu früh erwachsen geworden war. Vielleicht, weil das Leben, das er geführt hatte, nie zu seinem Alter passte. Wenn Menschen Ismail nach seinem Alter fragen, glauben viele nicht, dass er noch keine 18 ist. Manchmal lächelt er, wenn er ihre Schätzungen hört. Doch er weiß, dass die Jahre, die er erlebt hat, ausreichten, um ihn viel älter erscheinen zu lassen als einen jungen Mann am Anfang seines Lebens.

Ismail kam als Minderjähriger allein nach Deutschland. Hinter ihm lag eine lange Reise, die in Syrien begann, über die Türkei führte und dann durch mehrere europäische Länder, bevor sie in Deutschland endete. Heute, fast zwei Jahre nach seiner Ankunft, sieht er sich mit einer Realität konfrontiert, die ganz anders ist als das, was er sich vorgestellt hatte, als er alles hinter sich ließ, um eine neue Chance zu suchen. „Ich dachte, wenn ich in Deutschland ankomme, beginne ich ein neues Leben wie jeder andere junge Mensch, gehe zur Schule und baue meine Zukunft auf. Aber der Bescheid, den ich bekommen habe, hat alles verändert.“

Eine Kindheit, die früh endete

Mit dem Bescheid meint er die Ablehnung seines Schutzantrags und die Aufforderung, Deutschland innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Mit einer solchen Entscheidung hatte er nach allem, was er seit seiner Kindheit erlebt hatte, nicht gerechnet.

Ismail verließ Syrien, als er noch klein war. In einem Alter, in dem er eigentlich in der Schule, auf einem Fußballplatz oder bei seiner Familie hätte sein sollen. Stattdessen fand er sich allein in Istanbul wieder und war seit seinen frühen Jugendjahren von seiner Familie getrennt. Dort begann er mit 14 zu arbeiten. „Ich arbeitete von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends. Danach begann ich eine zusätzliche Arbeit bis drei Uhr morgens. Ich schlief am Arbeitsplatz und wachte auf, um denselben Tag von Neuem fortzusetzen.“

Die Jahre harter Arbeit waren nicht die einzige Schwierigkeit. Nach seiner Schilderung hatte er keine offiziellen Papiere. Das machte freie Bewegung gefährlich und konnte bis zur Abschiebung aus der Türkei führen. So lebte er ein fast abgeschlossenes Leben.

Für ihn war Istanbul weder Meer noch volle Straßen noch ein neues Leben, sondern eine lange Werkstatt und ein provisorischer Schlafraum. „Fast vier Jahre lang wusste ich nichts von Istanbul. Ich habe nur gearbeitet.“ Wegen dieses Drucks hatte er nur ein Ziel: Geld zu sammeln, um aus diesem Kreislauf herauszukommen. Er sagt: „Ich habe alles gesammelt, was ich konnte, und mir zusätzlich Geld geliehen, nur um die Kosten für den Weg nach Deutschland bezahlen zu können.“

Fünfundzwanzig Tage in den Wäldern

Doch der Weg nach Europa war für einen Jugendlichen unter 18 nicht weniger hart. Ismails Reise, die etwa 25 Tage dauerte und durch Wälder und über Grenzen führte, ist unvergesslich. Er kam dabei durch Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich, bevor er Deutschland erreichte. „In den letzten Tagen hatten wir weder Essen noch Wasser. Wir kamen an einen Punkt, an dem wir weder weiter noch zurück konnten.“ „Ich wurde auch an der türkischen und der serbischen Grenze geschlagen und in Serbien mit anderen drei Tage festgehalten, bevor ich meine Reise fortsetzte. In einer Phase mussten wir unser Gepäck loswerden, damit wir weiterlaufen konnten. Wir waren nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu tragen.“

Ankunft in Deutschland

Als Ismail in Deutschland ankam, war er 17 Jahre alt. Er erinnert sich an die ersten Stunden und sagt, die Polizei habe ihn angehalten und routinemäßig durchsucht, ihn dann aber auf der Straße zurückgelassen. Er sah sich gezwungen, selbst nach dem Ort zu suchen, an dem er einen Asylantrag stellen konnte.

Danach wurde er in eine Aufnahmeeinrichtung gebracht und später in eine Unterkunft für unbegleitete Minderjährige. Dort begann ein neuer Abschnitt seines Lebens. „Dort gab es Betreuer, die sich um alles kümmerten. Sie halfen uns bei Terminen, brachten uns zu Behörden und Gerichten und versuchten, jedes Problem zu lösen, mit dem wir konfrontiert waren.“ Trotz der Schwierigkeiten des Lebens in Unterkünften spricht Ismail positiv über diese Phase. „Ich habe keine schlechte Behandlung oder Rassismus erlebt. Sie haben uns geholfen, so gut sie konnten.“

Die Sprache als Lebensprojekt

Seit den ersten Tagen nach seiner Ankunft konzentrierte sich Ismail darauf, Deutsch zu lernen. Er bat immer wieder darum, in der Schule und in Bildungskursen angemeldet zu werden. „Ich sagte ihnen fast jeden Tag, dass ich lernen will.“ Einen großen Teil der Sprache lernte er selbst über das Handy und das Internet, bevor er an offiziellen Bildungsprogrammen teilnahm.

Heute besucht er eine berufsvorbereitende Schule und arbeitet in einem einfachen Job (Mini-Job). Er plant, eine Berufsausbildung im Bereich Altenpflege zu beginnen. Er sagt, viele Menschen, die er getroffen habe, hätten sich über sein Sprachniveau im Verhältnis zu seiner Aufenthaltsdauer gewundert. „Sie sagten mir, es gebe Menschen, die seit vier oder fünf Jahren hier leben und die Sprache nicht auf diese Weise gelernt haben.“

Vor Gericht

Doch der Weg zur Stabilität war nicht einfach. Ismail musste im Asylverfahren mehrere Anhörungen und Befragungen durchlaufen. „Sie fragten mich nach allem. Warum hast du Syrien verlassen? Warum warst du allein? Was hast du in der Türkei gemacht? Wie bist du nach Deutschland gekommen?“ Er fügt hinzu, dass die Fragen fast alle Details seines Lebens betrafen. „Sie wussten viele Details, aber ich musste sie selbst erzählen.“

Er sagt, er habe über die Sicherheits- und Wirtschaftsgründe gesprochen, die ihn dazu gebracht hätten, Syrien zu verlassen, und über die Umstände, unter denen er vor seiner Ankunft in Deutschland gelebt habe. Doch das Ergebnis fiel anders aus, als er erwartet hatte. „Sie sagten, Syrien sei ein sicheres Land geworden.“ Danach erhielt er den Ablehnungsbescheid.

Ein Fall, der über Ismail hinausgeht

Ismails Geschichte ist kein Einzelfall. Nach den verfügbaren Daten stellten im Jahr 2024 rund 13.344 unbegleitete Minderjährige in Deutschland Asylanträge. In den ersten vier Monaten des Jahres 2025 wurden 4.926 neue Anträge registriert. Derzeit leben mehr als 40.000 Minderjährige und junge Menschen unter der Betreuung der deutschen Jugendämter. Syrer stellen mit rund 42 Prozent den größten Anteil unter ihnen. Es folgen Menschen aus Afghanistan und Somalia.

Bis Ende 2024 war die Anerkennungsquote bei Schutzanträgen unbegleiteter Minderjähriger sehr hoch. Sie lag bei mehr als 91 Prozent. Tausende Minderjährige erhielten den Flüchtlingsstatus oder andere Formen des Schutzes. In den ersten Monaten des Jahres 2025 zeigte sich jedoch eine deutliche Veränderung bei der Bewertung syrischer Anträge. Die Schutzquoten gingen im Vergleich zu den Vorjahren klar zurück.

Eine ungewisse Zukunft

Heute wartet Ismail auf das Ergebnis seines Einspruchs gegen die Entscheidung. Obwohl er versucht, weiter zu lernen und zu arbeiten, bestimmt Unsicherheit sein Leben. Wenn man ihn fragt, was ihn erwartet, falls er zur Rückkehr gezwungen wird, hält er kurz inne, bevor er antwortet: „Ich weiß es nicht.“ Dann fügt er hinzu: „Ich habe Syrien verlassen, als ich klein war. Ich weiß nicht, wie ich dort mein Leben beginnen soll. Ich weiß nicht, was mich erwartet.“

Er sagt, viele Minderjährige, die mit ihm angekommen seien, hätten in letzter Zeit ähnliche Bescheide erhalten. Dabei hätten die meisten von ihnen versucht, sich an die Gesetze zu halten und jedes Problem zu vermeiden, aus Angst, dass sich das auf ihre Akten auswirken könnte. „Selbst wenn uns jemand auf der Straße beleidigte, ignorierten wir es, damit kein Problem gegen uns registriert wird.“

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