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Tara Rahmani: Hoffnung auf Freiheit

Tara Rahmani, iranische politische Aktivistin in Deutschland, spricht im Gespräch mit Amal über ihre Migrationserfahrung, die Entwicklungen im Iran und die Hoffnung auf die Zukunft © Privat
Tara Rahmani, iranische politische Aktivistin in Deutschland, spricht im Gespräch mit Amal über ihre Migrationserfahrung, die Entwicklungen im Iran und die Hoffnung auf die Zukunft © Privat

Vor drei Jahren verließ Tara Rahmani nach den Protesten „Frau, Leben, Freiheit“ den Iran. Heute lebt die IT-Fachfrau in Deutschland und engagiert sich politisch für die Partei Konstitutionelles Iran (Liberal-Demokraten). Im Gespräch mit Amal News spricht sie über die Lage im Iran, die Erfahrungen der iranischen Diaspora, Deutschlands Rolle und ihre Hoffnung auf eine freie und demokratische Zukunft.

Für Tara Rahmani ist ihr persönliches Engagement auch eine persönliche Angelegenheit. Während ihrer jahrelangen Arbeit im Bereich der Informationstechnologie erlebte sie im Iran die Einschränkungen und Diskriminierungen, mit denen viele  Frauen konfrontiert sind. Schon vor ihrer Migration unterstützte sie die Proteste und die Forderungen der Menschen im Iran. 

In Deutschland nutzt Rahmani ihre neu gewonnene Freiheit, um die Stimmen der Menschen im Iran international sichtbar zu machen. Sie nimmt an Demonstrationen teil, verbreitet Bilder und Videos der Proteste und setzt sich dafür ein, die Namen und das Andenken der Getöteten lebendig zu halten.

Wie bewertest du die aktuelle Lage im Iran? 

Meiner Meinung nach wächst nach jeder Protestwelle die Hoffnung der Menschen auf Veränderung. Viele glauben, dass es dieses Mal das Ende der Islamischen Republik sein wird. Die Proteste im Dey-Monat, dem zehnten Monat im iranischen Kalender, waren für mich eine nationale Revolution. Danach hofften viele, dass die weiteren Entwicklungen zu grundlegenden Veränderungen im Iran führen würden.

Der wiederkehrende Kreislauf von Hoffnung und Enttäuschung – von den Protesten der Jahre 1999, 2009, 2019 und 2022 bis zu den jüngsten Ereignissen – hat die Menschen psychisch und gesellschaftlich stark belastet. Immer wieder gingen sie mit ganzer Kraft für Veränderung auf die Straße. Dass diese Hoffnungen bislang nicht erfüllt wurden, hat die iranische Gesellschaft einen hohen Preis gekostet.

Zu den größten Herausforderungen gehören außerdem wirtschaftliche Probleme, die Einschränkungen persönlicher und politischer Freiheiten sowie die fehlende Sicherheit. Dennoch glaube ich, dass dieser kostspielige Weg letztlich zu mehr Bewusstsein und Veränderung führen wird. Die Hoffnung der Menschen wird nicht erlöschen.

Wie hat sich dadurch die iranische Gemeinschaft in Deutschland verändert?

Diese Entwicklungen hatten große Auswirkungen. Besonders in den vergangenen Monaten habe ich Dinge erlebt, die für mich kaum vorstellbar waren. Wir kamen für Menschen zusammen, die uns wichtig waren, obwohl wir viele von ihnen nicht einmal persönlich kannten. Wir trauerten gemeinsam um den Iran, machten einander Hoffnung und versuchten, füreinander da zu sein.

Ich habe das Gefühl, dass Zusammenhalt, Zuneigung und Verantwortungsbewusstsein unter den Iranern im Ausland stärker geworden sind. Viele haben versucht, sich gegenseitig daran zu erinnern, dass wir diesmal nicht verzweifeln dürfen.

Welche Sorgen oder Hoffnungen beschäftigen die Iraner:innen?

Die größte Sorge gilt der Situation unserer Angehörigen im Iran. Der wirtschaftliche Druck, die Schwierigkeiten des täglichen Lebens, die Unsicherheit und die Sorge vor Krieg sind Themen, über die ständig gesprochen wird.

Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass auch die Hoffnung stärker geworden ist als früher. Vielleicht ist der Weg länger, als wir gedacht haben. Aber viele Iraner glauben heute mehr denn je, dass die Freiheit erreichbar ist.

Wie hast du die Ereignisse im Iran in Deutschland erlebt? 

Als ich noch im Iran lebte, sah ich die große Versammlung der Iraner in Berlin im Fernsehen. Diese Einheit und Solidarität unter den Iranern im Ausland zu sehen, hat mich sehr bewegt und mir – ebenso wie vielen anderen Menschen im Iran – Hoffnung und Kraft gegeben.
Wir hatten das Gefühl, dass es Menschen gibt, die unsere Stimme in die Welt tragen. Menschen, die sich an freien Tagen aus verschiedenen Städten und Ländern versammeln, um die Menschen im Iran zu unterstützen.

Als ich selbst nach Deutschland kam und in einem Land lebte, in dem ich frei sprechen konnte, beschlossen meine Schwester und ich, keine Mühe zu scheuen, um die Stimme der Menschen im Iran weiterzutragen. Wir nahmen an Kundgebungen teil, veröffentlichten Videos der Proteste und hielten die Namen und die Erinnerung an die Getöteten lebendig. Die Menschen im Iran sollten wissen, dass wir ihre Stimme sein werden, wenn sie zum Schweigen gezwungen werden.

Tara Rahmani und ihre Schwester Ana
Tara Rahmani (rechts) und ihre Schwester Ana, die auch nach der Migration ihre zivilgesellschaftlichen Aktivitäten zur Unterstützung der Menschen im Iran fortgesetzt haben © privat

Du bist Mitglied der Partei Konstitutionelles Iran (Liberal-Demokraten). Wie blickt die Partei auf die aktuellen Entwicklungen im Iran

Das Thema Iran ist ein zentraler Schwerpunkt vieler Sitzungen und Aktivitäten. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Unterstützung der Menschen im Iran, der Verteidigung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, der Wahrung der territorialen Integrität des Iran und der Unterstützung eines friedlichen Übergangs zu einer säkularen und demokratischen Regierung.

Die Partei Konstitutionelles Iran (Liberal-Demokraten) unterstützt außerdem Prinz Reza Pahlavi als eine der wichtigen und einflussreichen Persönlichkeiten im Übergangsprozess und in der Zeit danach und betont die Notwendigkeit nationaler Geschlossenheit.

Wir bemühen uns außerdem, die Stimme der Menschen im Iran an die Öffentlichkeit und an Politiker demokratischer Länder heranzutragen.

Welche Rolle sollte Deutschland übernehmen?

Ich finde, die deutsche Regierung und viele Politiker dieses Landes in den vergangenen Jahren zur Menschenrechtslage im Iran Stellung bezogen und in einigen Fällen die Forderungen der Menschen im Iran unterstützt. Dennoch gibt es weiterhin  Spielraum für wirksamere Maßnahmen.

Deutschland könnte meiner Ansicht nach eine wichtigere Rolle spielen, indem es die Menschenrechte entschiedener unterstützt, den politischen und diplomatischen Druck auf die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen erhöht und zugleich auf die Stimme der iranischen Gemeinschaft im Ausland hört.

Ein engerer Austausch mit Vertreter:innen der iranischen Zivilgesellschaft und eine größere Aufmerksamkeit für ihre Anliegen könnten ebenfalls dazu beitragen, fundierte und präzisere Entscheidungen zu treffen.

Wie gut ist die deutsche Gesellschaft deiner Meinung nach über die Situation im Iran informiert?

Meiner Meinung nach haben viele Menschen in Deutschland noch immer kein vollständiges Bild von der Realität des Lebens in der Islamischen Republik. Manchmal entsteht der Eindruck, die meisten Iraner seien nur aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert. Dabei mussten viele von ihnen das Land wegen fehlender Freiheit, Unsicherheit und politischen Drucks verlassen – etwa aus Angst vor einer Festnahme, unbegründeten Anschuldigungen oder um das eigene Leben und das ihrer Familien zu schützen.

Wie kann die iranische Gemeinschaft im Ausland die Menschen im Iran besser unterstützen?

Das Wichtigste ist, die Einheit zu bewahren und die tiefe Verbundenheit mit dem Iran zu zeigen. Gerade diese Einheit gibt den Menschen im Land Hoffnung und zeigt ihnen, dass sie nicht allein sind.

Die Iraner im Ausland sollten mithilfe der Medien, durch zivilgesellschaftlichem Engagement, im Gespräch mit Politiker:innen sowie durch Präsenz auf internationaler Ebene die Realitäten des Iran in die Welt tragen. Gleichzeitig sollten sie demokratische Regierungen auffordern, an der Seite der Menschen im Iran zu stehen und ihr Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung zu unterstützen.

Welche Botschaft möchtest du Iraner:innen im Iran und in Deutschland mitgeben?

Meine Botschaft ist, dass Einheit immer der Schlüssel zum Erfolg war. Die Geschichte hat gezeigt, dass keine Diktatur und kein Unrecht für immer Bestand hat.

Den Iranern im Land sage ich: Ihr seid nicht allein, und die Iraner im Ausland werden, so gut sie können, eure Stimme sein.

Den in Deutschland lebenden Iranern sage ich: Unabhängig von unseren unterschiedlichen Ansichten sollten wir für die Zukunft des Iran zusammenstehen und den Weg gemeinsam gehen.

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