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Die Mütter von Cherson

© Krzysztof Bieliński / Teatr Wielki – Opera Narodowa
© Krzysztof Bieliński / Teatr Wielki – Opera Narodowa

Noch bis zum 6. November 2026 ist in der Mediathek des deutsch-französischen Fernsehsenders ARTE die vollständige Aufzeichnung der Oper „Die Mütter von Cherson“ kostenlos abrufbar. Sie erzählt von ukrainischen Frauen, die unter Lebensgefahr nach ihren Kindern suchen, die die russische Besatzungsverwaltung angeblich zu Ferien nach Krim gebracht hatte.

Erstmals in der Geschichte hat die Metropolitan Opera einen ukrainischen Komponisten mit einer Oper beauftragt. „Die Mütter von Cherson“ erzählt von der russischen Aggression gegen die Ukraine und einem ihrer schwerwiegendsten Verbrechen: die Verschleppung ukrainischer Kinder, ihrer zwangsweisen Festhaltung und den Versuchen ihnen ihre Identität zu nehmen.

© Offizielle Website des Kulturministeriums der Ukraine

Die New York Times nannte diese Entscheidung der Metropolitan Opera „die extravaganteste und ungewöhnlichste Form der Unterstützung der Ukraine“. Die amerikanische Premiere ist für April 2028 in New York geplant.

An dem groß angelegten Projekt arbeitete ein internationales Team in den USA, Deutschland, der Ukraine und Polen. Eine erste Fassung des Librettos lag bereits im Frühjahr 2023 vor. Die gesamte Arbeit am Text dauerte drei Jahre.

© Krzysztof Bieliński / Teatr Wielki – Opera Narodowa

Der amerikanische Dramatiker George Brant entschied sich für ein Thema, das damals weltweit für Schlagzeilen sorgte. 2022 brachte die russische Verwaltung während der Besatzung der Region Cherson ukrainische Schulkinder angeblich zur Erholung oder medizinischen Versorgung in Internate und Kinderlager auf der Krim. Für viele von ihnen dauerten diese vermeintlichen Ferien jedoch Monate. Aus einem angeblich vorübergehenden Aufenthalt wurde eine Gefangenschaft.

Auch nach der Befreiung Chersons weigerte sich die russische Seite, die Kinder zurückzugeben und ihnen Kontakt zu ihren Eltern zu ermöglichen. Die russische Ombudsfrau Maria Lwowa-Belowa, die ebenfalls eine Figur der Oper ist, behauptete hingegen, die Eltern könnten ihre Kinder jederzeit abholen, müssten dafür aber persönlich anreisen.

Die Entführung der Kindern und die Liebe sowie Opferbereitschaft der Mütter bieten einen bewegenden Stogg für jedes Werk. Obwohl die Figuren in „Die Mütter von Cherson“ fiktiv sind, beruhen ihre Geschichten auf realen Ereignissen. Für das Libretto wertete George Brant zahlreichen Interviews mit ukrainischen Frauen aus.

Unterstützung erhielt er auf ukrainischer Seite von der Produzentin und Musikmanagerin Sasha Andrusyk. Gemeinsam mit der Organisation Save Ukraine, die die Reisen von Müttern aus Cherson und der Region nach Russland und auf die annektierte Krim finanzierte und organisierte, trug sie dazu bei, dass die Frauen ihre Kinder abholen und zurückbringen konnten.

Was ARTE zeigt

Am 4. Juni 2026 wurde die Konzertfassung der Oper in der Nationaloper der Ukraine aufgeführt. Die Musik stammt vom ukrainischen Oboisten und Komponisten Maxim Kolomiiets, der in Leipzig lebt und arbeitet. Er setzte sich einem geschlossenen Wettbewerb gegen 73 weitere zeitgenössische ukrainische Komponist:innen durch.

© Offizielle Website des Kulturministeriums der Ukraine

Seine Partitur sei leicht zu verstehen, urteilte die New York Times. Der Komponist „mit avantgardistischen Anlagen“ habe bewusst ein Werk von „emotionaler Transparenz, ähnlich einem Filmsoundtrack“ geschaffen. In einem Interview mit dem Magazin Cultura.pl erklärte Kolomiiets, er habe eine zeitgenössische Musiksprache verwenden wollen, die jedoch nicht so kompliziert sein sollte, dass sie für die Mütter selbst, deren Geschichten die Oper erzählt, unverständlich wäre. „Gerade sie waren mein wichtigster Maßstab“, betonte der Komponist.

Im Oktober folgte die vollständige Premierenaufführungmit Bühnenbild und Kostümen an der Polnischen Nationaloper. Das Haus ist neben der Metropolitan Opera einer der zentralen Partner:innen des Projekts. Die erste Vorstellung in Warschau wurde mit 20 Minuten langem Applaus gefeiert.

Jetzt stellt der deutsch-französische Fernsehsender ARTE die vollständige Videoaufzeichnung der polnischen Inszenierung kpstenlos zur Verfügung. Die Aufführung dauert 157 Minuten und ist bis zum 6. November 2026 in der Mediathek abrufbar.

Dort findet sich auérdem der rund 30-minütige Dokumentarfilm „Die Mütter von Cherson – Entstehung einer einzigartigen Oper“. Er gibt Einblicke in die Entstehung des Werkes und enthält unter anderem Interviews mit Sasha Andrusyk, dem Komponisten Maxim Kolomoiiets und der Dirigentin Keri-Lynn Wilson. Besonders bewegend ist die Geschichte von Julija Radsewilowa, die in dem Film von der Rettung ihres damals zwölfjährigen Sohnes Maxim berichtet. Anders als die Oper bleibt die Dokumentation bis Oktober 2027 frei zugänglich.

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