Kinder schreien laut, während sie in einem aufblasbaren Planschbecken spielen. Mehrere Erwachsene zünden währenddessen Holzkohle in einem Grill an, um Essen zuzubereiten. Das geschieht in einem Kleingarten mit Blick auf den Horner Weg im Hamburger Stadtteil Horn.
In Deutschland gibt es mehr als 900.000 Kleingärten, die auch als „Schrebergärten“ bekannt sind. Viele Menschen besitzen Parzellen, die zu Vereinen gehören, die die Anlagen verwalten. Vor allem an heißen Sommertagen besuchen sie ihre Gärten. Denn die dicht bewachsenen Grünflächen spenden viel Schatten und halten den Boden feucht. Manche gehen dem Hobby des Gärtnerns nach und pflegen ihre Grünfläche, indem sie Blumen oder Apfelbäume pflanzen. Andere haben Gewächshäuser, in denen sie verschiedene Gemüsesorten, Tomaten und Erdbeeren anbauen. Blumenbeete brauchen Wasser zur Bewässerung. Einige stellen dieses bereit, indem sie Regenwasser in Fässern sammeln.

Kleingärten als neues Zuhause für Migrant:innen
Ob diese Gärten ein Ort der Ruhe und Erholung sind, ein Rückzugsort vor dem Lärm des Alltags oder ein Gegenpol zur Arbeitswelt, die von der digitalen Welt geprägt ist, oder ob es um den Wunsch geht, Obst und Gemüse lokal anzubauen: Alle Kleingärtner:innen eint die Liebe zum Gärtnern.
Lange galten diese Gärten als ein typisch deutsches Modell. Das änderte sich, als Türk:innen begannen, sie zu pachten. Inzwischen wird jeder fünfte verpachtete Kleingarten von Migrant:innen gemietet.

Die deutsche Fotografin türkischer Herkunft, Emine Akbaba, sagt, sie habe Kleingärten erst kennengelernt, als einer ihrer Verwandten einen solchen pachtete. Damals begann ihre Leidenschaft, über einen Zeitraum von zwölf Jahren türkische Familien zu fotografieren, die solche Gärten pachten.
„Die Familien bringen einige Samen aus der Türkei mit, um sie in ihren Gärten zu pflanzen. Das gibt ihnen ein Gefühl von Heimat“, sagt Akbaba. Die Fotografin dokumentierte Szenen, in denen sich türkische Familien versammeln, beten, kochen, Karten spielen und Gemüse anbauen. Während ihrer ersten Recherchen hörte Akbaba immer wieder, dass türkische Familien in diesen Gärten nicht willkommen seien – sie seien zu groß, zu laut, und es müsse Grenzen geben.
Kleingärten tragen zur Abkühlung der Stadt bei
Laut Fritz Reusswig, Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, trägt die Ausweitung von Grünflächen in großen Städten dazu bei, die Temperaturen zu senken. Reusswig erklärt, dass bauliche Strukturen und versiegelte Flächen im Sommer zu höheren Temperaturen in städtischen Gebieten führen.
Urbane Gartenarbeit hilft, die Luft zu kühlen. Denn sie spendet Schatten, ermöglicht Verdunstung und nimmt Wasser auf. Bei der Untersuchung der Wirkung dieser Gärten verzeichnete Reusswig mit seinem Team einen Temperaturrückgang um zwei bis drei Grad in den Gärten. Dieser Effekt reicht 200 bis 300 Meter in die umliegende Gegend und damit in Wohngebiete, da Kleingärten meist in der Nähe liegen. Außerdem wurde in Gebieten mit Kleingärten ein Anstieg der Vogelarten um zehn Prozent beobachtet.

Geschichte der Kleingärten
Die zunehmende Nahrungsmittelknappheit während des Ersten Weltkriegs führte zu einem wachsenden dringenden Bedarf an Selbstversorgung mit lokal angebautem Obst und Gemüse. Dadurch gewann die Kultur der Kleingärten zunehmend an Beliebtheit. Seit ihrer Entstehung sind diese Gärten ein Indikator für soziale und wirtschaftliche Veränderungen in Deutschland. Einerseits nahm ihre Zahl in Krisenzeiten deutlich zu, andererseits ging sie in Phasen wirtschaftlicher Stabilität zurück.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde betreiben rund fünf Millionen Menschen in ihrer Freizeit Kleingartenanbau. Das Interesse von Türk:innen, Russ:innen und Araber:innen an solchen Gärten nimmt zu. Der Anbau von Blumen ist für sie zweitrangig. Stattdessen wird jeder Quadratmeter Boden genutzt, um Gemüse wie Tomaten, Auberginen, Mais und Bohnen anzubauen. Diese Pflanzen gehören zu den Grundkulturen in jedem Garten.
Welche Regeln gelten für Kleingärten?
Pächter:innen von Kleingärten müssen bestimmte Regeln einhalten. Dazu gehört, dass der Zaun nicht höher als 1,20 Meter sein darf. Auch beim Gemüseanbau darf die bepflanzte Fläche nicht mehr als ein Drittel des Grundstücks ausmachen. Auch in diesen Gärten gilt die gesetzliche Ruhezeit. Rasenmäher und andere Lärmquellen dürfen daher mittags nicht benutzt werden. Auch die Haltung von Kleintieren wie Hühnern ist in diesen Gärten verboten.

In Hamburg gibt es fast 35.000 Kleingärten. Sie gleichen für die Bewohner:innen der Stadt das Fehlen privater Gärten in mehrstöckigen Wohngebäuden aus. Trotz der Bemühungen, diese Gärten in Wohngebieten zu erhalten, widmet die Stadt solche Grünflächen wegen der wachsenden Bevölkerungsdichte manchmal für gewerbliche oder wohnungsbauliche Entwicklungsprojekte um. Die Idee dieser Gärten in Wohngebieten ist, dass sie schnell zu Fuß oder mit dem Fahrrad und damit auf umweltfreundliche Weise erreichbar sind.