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KV Hessen: So unterstützt sie ausländische Ärzte

Arzt, der auf eine Patientenakte schreibt. Symbolbild: Vitaly Gariev/Unsplash
Arzt, der auf eine Patientenakte schreibt. Symbolbild: Vitaly Gariev/Unsplash

Von Beratung und Weiterbildung bis hin zur Niederlassung in einer eigenen Praxis: Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) koordiniert die ambulante medizinische Versorgung im Bundesland und unterstützt Ärztinnen und Ärzte, die gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten behandeln. Davon profitieren auch Medizinerinnen und Mediziner aus dem Ausland, sofern sie bereits über eine Approbation verfügen. Fehlt diese noch, kann die KVH in bestimmten Fällen dabei helfen, den Anerkennungsprozess zu beschleunigen.

Über die Zusammenarbeit mit ausländischen Ärztinnen und Ärzten sprach der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frank Dastych, im Exklusivinterview mit Amal News. Auf Grundlage des Gesprächs haben wir die wichtigsten Informationen und Aussagen von Frank Dastych für unsere Leserinnen und Leser zusammengefasst.

Frank Dastych, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Bild: Viktoriia Chernykova-Berezdetska/Amal News

Was ist die KV Hessen?

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen stellt die ambulante vertragsärztliche Versorgung in Hessen sicher. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören alle vertragsärztlichen Praxen – mit Ausnahme rein privatärztlicher Praxen. Dazu zählen Hausarzt- und Kinderarztpraxen ebenso wie Facharztpraxen und psychotherapeutische Praxen.

Die KVH sorgt dafür, dass gesetzlich Versicherte wohnortnah medizinisch versorgt werden, plant die Verteilung der Arztpraxen im Land, organisiert den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, rechnet die Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen ab, überwacht die Qualität der medizinischen Versorgung und berät Ärztinnen und Ärzte in organisatorischen und beruflichen Fragen. Eine Kassenärztliche Vereinigung gibt es in jedem Bundesland Deutschlands.

Eingang zur KVH-Zentrale in Frankfurt am Main. Bild: Viktoriia Chernykova-Berezdetska/Amal News

An der Spitze der KV Hessen steht der HNO-Arzt Frank Dastych, der für die fachärztliche und psychotherapeutische Versorgung verantwortlich ist. Sein Vorstandskollege Armin Beck betreut den hausärztlichen und kinderärztlichen Bereich. Dastych arbeitete selbst einige Zeit in England und kennt die Herausforderungen, die mit einer ärztlichen Tätigkeit im Ausland verbunden sind.

Besonders gefragt

Derzeit gehören der KV Hessen rund 15.000 Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen beziehungsweise Psychotherapeuten an. Dennoch besteht in der ambulanten Versorgung ein erheblicher Personalmangel. Nach Angaben von Frank Dastych fehlen allein im ambulanten Bereich rund 200 bis 300 Ärztinnen und Ärzte. Besonders groß ist der Bedarf an Hausärztinnen und Hausärzten. Gesucht werden außerdem Dermatologen, Augenärzte, Urologen sowie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte.

„Am allerliebsten ist: Sie haben Ihre Approbation und möchten Hausarzt werden – dann rollen wir Ihnen den roten Teppich aus und kümmern uns um alles. Wer Urologe, HNO-Arzt, Dermatologe oder Augenarzt werden möchte, dem können wir ebenfalls helfen. Etwas schwieriger ist es in der Kinder- und Jugendmedizin. Weniger Unterstützungsmöglichkeiten gibt es in hochspezialisierten Fächern wie Laboratoriumsmedizin, Radiologie oder Endokrinologie, weil wir dort derzeit kaum Versorgungsengpässe haben“, sagt Frank Dastych.

Weiterbildung in Praxen

Ein wichtiger Aufgabenbereich der KV Hessen ist die Förderung der ärztlichen Weiterbildung.

„Vom Facharzt für Allgemeinmedizin über den Urologen und den HNO-Arzt bis hin zum Kardiologen haben wir eine große Zahl von Praxen, die weiterbilden. Das wissen viele Kolleginnen und Kollegen gar nicht. Man ist also keineswegs auf Krankenhäuser angewiesen. Wer eine gute, breite und moderne Facharztweiterbildung machen möchte, ist bei uns genau richtig“, sagt Vorstandsvorsitzende der KVH.

Symbolbild: Fernando Zhiminaicela/Pixabay

Die Weiterbildung im ambulanten Bereich wird finanziell gefördert. Seit Januar 2025 beträgt die Förderung 5.800 Euro brutto pro Monat für eine Vollzeitstelle. Diese Mittel müssen von den weiterbildungsbefugten Praxen vollständig als Bruttogehalt an die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung weitergegeben werden.

Darüber hinaus eröffnet die Tätigkeit in einer Praxis langfristige berufliche Perspektiven. Dastych verweist dabei auch auf zwei Kollegen aus Syrien, die heute in seinen eigenen HNO-Praxen arbeiten:

„Bei zwei Kollegen aus Syrien, die heute mit uns in meiner eigenen Praxis arbeiten, wurde nicht nur die Approbation anerkannt. Beide waren viele Jahre an einer der größten HNO-Kliniken Syriens tätig. Ihnen wurde sogar die Facharztanerkennung erteilt. Damit standen ihnen bei uns alle Möglichkeiten offen – von der Anstellung bis hin zur eigenen Niederlassung.“

Ausländische Ärztinnen und Ärzte und die deutsche Bürokratie

Die KV Hessen arbeitet mit Ärztinnen und Ärzten zusammen, die bereits über eine Approbation, also die unbefristete Zulassung zur ärztlichen Berufsausübung in Deutschland, verfügen. Für ausländische Medizinerinnen und Mediziner gehören außerdem ausreichende Deutschkenntnisse zu den zwingenden Voraussetzungen. „Unsere Patientinnen und Patienten sprechen Deutsch, und man muss sich mit ihnen unterhalten können. Alles andere funktioniert nicht“, sagt Frank Dastych.

Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und die Erteilung der Approbation gehören allerdings nicht zum Aufgabenbereich der KV Hessen. Zuständig ist ausschließlich das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP). Dennoch kann die KV Hessen in bestimmten Fällen unterstützend eingreifen.

„Wer aus einem anderen Land zu uns kommt, kennt die deutsche Bürokratie nicht. Wir kennen sie aber. Wir wissen, wen man anrufen muss und wo man nachfragen kann, damit das eine oder andere etwas schneller geht“, sagt Vorstandsvorsitzende der KVH.

Frank Dastych, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Bild: Viktoriia Chernykova-Berezdetska/Amal News

Nach den Erfahrungen von Frank Dastych scheitert die Anerkennung ausländischer Ärztinnen und Ärzte häufig nicht an deren fachlicher Qualifikation: „Wir haben bereits viele Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine. Sie verstehen ihr Handwerk und verfügen über eine gute, solide ärztliche Ausbildung. In der Regel liegt das Problem nicht an den Kenntnissen oder Fertigkeiten. Es liegt sehr oft an Formularen, Formularen und noch einmal Formularen.“

Wann die KV Hessen helfen kann

Ein Beispiel aus der Praxis ist eine junge Ärztin aus der Türkei, die fast ein Jahr auf eine Rückmeldung zu ihrem Antrag auf Approbation warten musste. „Am Ende stellte sich heraus, da fehlte nichts anderes als ein kleiner Stempel vom Einwohnermeldeamt, dass sie überhaupt in Deutschland gemeldet ist. Das sind genau die Fälle, in denen wir nachfragen können“, sagt Frank Dastych.

„Wenn junge Kolleginnen und Kollegen ernsthaft Interesse daran haben, in einer unserer Praxen zu arbeiten, ihnen aber noch die Approbation oder die Anerkennung fehlt, können sie sich gern an uns wenden. Wir haben in Wiesbaden manchmal andere Möglichkeiten nachzufragen als eine einzelne Ärztin oder ein einzelner Arzt.“

Dabei betont Dastych ausdrücklich, dass die KV Hessen keine Approbationen erteilen und auch keine Anerkennungsverfahren ersetzen könne: „Wir können nichts anerkennen. Aber wir können nachfragen. Und manchmal hilft genau das.“

Gleichzeitig handele es sich dabei um Ausnahmen. „Wer seinen Antrag erst vor zwei Monaten gestellt hat, sollte zunächst noch etwas Geduld haben. Wenn aber jemand schon drei Viertel oder sogar ein ganzes Jahr wartet und nicht weiterkommt, dann können wir nachhaken und fragen, woran es liegt“, sagt Vorstandsvorsitzende der KVH.

Die Anerkennung einer Facharztqualifikation

Symbolbild: Vitaly Gariev/Unsplash

Noch anspruchsvoller als die Approbation ist häufig die Anerkennung einer bereits im Ausland erworbenen Facharztqualifikation: „Die Approbation ist das eine. Der Facharzt ist in Deutschland etwas ganz Besonderes.“ Dastych verweist darauf, dass die deutsche Facharztweiterbildung bis ins Detail geregelt sei:

„Nehmen wir einen Gastroenterologen: Dann braucht man zum Beispiel 150 Gastroskopien oder 250 Koloskopien. Hinzu kommen Ultraschalluntersuchungen, Mindestzahlen und viele weitere Vorgaben. Das alles muss dokumentiert und bescheinigt werden. Deshalb gibt es einen sehr umfangreichen Katalog, der erfüllt werden muss, um in Deutschland Facharzt zu werden.“

Gerade deshalb könne es vorkommen, dass erfahrene Ärztinnen und Ärzte trotz langjähriger Berufserfahrung ihre Facharztanerkennung zunächst nicht erhalten. „Wir hatten zum Beispiel einen Chirurgen aus der Ukraine. Er erhielt zwar die Approbation, seine Facharztanerkennung wurde jedoch zunächst nicht anerkannt“, erzählt  Dastych.

In solchen Fällen versucht die KV Hessen, passende Weiterbildungsstellen zu vermitteln: „Dann schauen wir, ob wir Praxen haben, die einen chirurgischen Weiterbildungsassistenten suchen. Wir können Kontakte herstellen oder bei der Stellensuche helfen.“

Im konkreten Fall gelang es, den Arzt an ein Krankenhaus zu vermitteln. Anschließend musste er seine bisherige operative Tätigkeit dokumentieren und bei der Landesärztekammer Hessen einreichen. „Dort wird geprüft, was bereits anerkannt werden kann und was noch fehlt. Dann kann es sein, dass man nicht noch einmal fünf Jahre Weiterbildung absolvieren muss, sondern vielleicht nur noch ein oder zwei Jahre sowie einen kleineren Katalog zusätzlicher Anforderungen“, erklärt Dastych.

Unterstützung auf dem Weg in die eigene Praxis

Die KV Hessen begleitet Ärztinnen und Ärzte nicht nur während der Weiterbildung, sondern unterstützt sie auch auf dem Weg in die Niederlassung.

„Wenn jemand eine eigene Praxis eröffnen möchte, kommt er zu uns. Zunächst prüfen wir, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind – Arztregister, Facharztanerkennung und so weiter. Danach sprechen wir gemeinsam darüber, ob es sinnvoll ist, der 177. HNO-Arzt oder der 820. Hausarzt in Frankfurt zu werden. Gleichzeitig gibt es viele Regionen, in denen seit Jahren dringend Hausärztinnen und Hausärzte gesucht werden“, sagt Frank Dastych.

Gerade in ländlichen Regionen unterstützten viele Kommunen Ärztinnen und Ärzte weit über medizinische Fragen hinaus: „Viele Gemeinden kümmern sich intensiv um neue Ärztinnen und Ärzte. Sie helfen bei der Wohnungssuche, bei der Suche nach einem Kindergartenplatz und oft auch dabei, eine Arbeitsstelle für den Ehepartner oder die Ehepartnerin zu finden.“

Erfahrung mit Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland

Eingang zur KVH-Zentrale in Frankfurt am Main. Bild: Viktoriia Chernykova-Berezdetska/Amal News

Nach den Erfahrungen der KV Hessen gelingt die Integration ausländischer Medizinerinnen und Mediziner in den ambulanten Bereich in den meisten Fällen sehr gut. Historisch stammen viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit Migrationsgeschichte in Hessen aus der Türkei. In den vergangenen anderthalb bis zwei Jahrzehnten kamen zudem zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus Syrien hinzu. Dastych verweist dabei auch auf seine eigene HNO-Praxis, in der heute zwei syrische Fachärzte tätig sind.

„Wir haben viel Erfahrung mit Ärztinnen und Ärzten aus allen Ländern, insbesondere aus Europa. Da gibt es eigentlich nichts Besonderes. Medizin ist universell. Eine englische Nase sieht genauso aus wie eine deutsche Nase. Ich habe auch schon in französische und italienische Nasen hineingeschaut – sie sehen alle gleich aus“, sagt Frank Dastych.

Entscheidend seien daher nicht Herkunft oder Nationalität, sondern Qualifikation und Motivation: „Die Menschen in Wolfhagen und Bad Wildungen sind froh, dass sie unsere beiden syrischen Kollegen haben. Es gibt dort keine Berührungsängste. Aus meiner Sicht kann man als ausländischer Arzt oder als ausländische Ärztin in Deutschland sehr glücklich werden.“

Kontakt zur KV Hessen

Der Hauptsitz der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen befindet sich in Frankfurt am Main (Europa-Allee 90). Weitere Standorte gibt es in Darmstadt, Gießen und Kassel. Wer sich für eine ärztliche Weiterbildung, eine Tätigkeit in einer Vertragsarztpraxis oder eine spätere Niederlassung interessiert, kann die KV Hessen direkt über ihre Website oder per E-Mail  [email protected] kontaktieren.

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