In den vergangenen Wochen gab es Berichte darüber, dass Sicherheitskräfte in die Kirche „Sankt Petrus“ in Teheran eingedrungen sind und ihre Räumung angeordnet haben. Im Ausland, darunter in Berlin, wurde eine Kampagne gestartet, um dies zu verhindern. Die Entwicklungen haben Fragen über das Schicksal der derzeitigen Bewohner:innen ausgelöst, bei denen es sich überwiegend um armenische und assyrische Familien handelt. Gleichzeitig gibt es Diskussionen über den zunehmenden Druck auf religiöse Minderheiten und die sozialen und kulturellen Folgen dieser Maßnahmen. Maryam Mardani hat darüber mit Daniela Sepehri, einer politischen Aktivistin aus Berlin, gesprochen.
Die Teheraner Kirche „Sankt Petrus“ ist rund 150 Jahre alt. Die evangelische Kirche gilt als eines der wichtigen historischen und religiösen Bauwerke der christlichen Gemeinde im Iran. Seit Beginn der Islamischen Revolution steht sie unter Druck. Nach einiger Zeit wurden dort sogar Aktivitäten von Farsi-sprechenden Christ:innen verboten; nur Armenier:innen und Assyrer:innen durften weiterhin tätig sein. Im Juni 2026 drangen Berichten zufolge schließlich Kräfte der Revolutionsgarden in die Kirche ein und erklärten, sie müsse geräumt werden. Den Bewohner:innen wurden zwei Wochen Zeit gegeben, den Ort zu verlassen.
Was weißt du über die Kirche?
Die Schließung dieser Kirche betrifft meine Familie indirekt. Mein Vater ging in seiner Jugend in diese Kirche ein und aus, und auch ich verbinde viele Kindheitserinnerungen mit ihr. Die Kirche verfügt über ein großes Gelände, zu dem auch eine Schule gehört. Dort leben rund 20 Familien: 12 armenische Familien und 8 assyrisch-christliche Familien. Die meisten dieser Menschen sind älter und finanziell nicht gut gestellt. Die Leiter der Kirche wurden mit Festnahme und Inhaftierung bedroht. Derzeit sorgen sich viele über das Schicksal dieser Familien und die Zukunft dieses Ortes. Wir befürchten, dass sie diese Kirche wie die Kirche in Maschhad mit Bulldozern zerstören.

Was glaubst du, ist der Grund für den zunehmenden Druck auf Kirchen und religiöse Minderheiten im Iran?
Seit Beginn der Islamischen Republik, also seit 1979, gibt es Restriktionen und Unterdrückung gegenüber Religionen und religiösen Minderheiten. In den 1990er Jahren war dieser Druck besonders sehr stark; mehrere christliche Geistliche und Pastoren wurden damals ermordet. Diese Entwicklung hat sich über die Jahre fortgesetzt, auch wenn ihre Intensität je nach politischer Lage schwankte.
Grundsätzlich nimmt die interne Repression immer dann zu, wenn die Regierung außenpolitisch unter Druck gerät. Auch nach dem zwölftägigen Krieg im vergangenen Jahr war eine solche Entwicklung zu beobachten, und der Druck auf Minderheiten, darunter Christ:innen, nahm zu.
Bist du mit den Bewohner:innen dieser Kirche in Kontakt? Wie ist ihre Lage?
Ich stehe nicht direkt mit ihnen in Kontakt, aber ich habe Kontakt zu einigen Menschen in ihrem Umfeld. Die allgemeine Atmosphäre ist von Angst und Sorge geprägt. Die meisten Bewohner:innen leben seit Jahren dort und sind ältere Menschen. Sie haben praktisch keinen anderen Ort, an den sie gehen können – vor allem angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage. Das macht ihre Situation sehr schwierig und besorgniserregend.
Du hast gesagt, dass die Schließung dieser Kirche deine Familie indirekt betrifft. Inwiefern?
Mein Vater war nicht Pfarrer dieser Kirche, aber er ging dort oft ein und aus, und meine väterliche Familie besuchte diese Kirche. Tatsächlich ist mein Vater in genau diesem Umfeld aufgewachsen.
Auch ich ging als Kind mit meiner Familie in diese Kirche und habe Erinnerungen aus der Zeit, als ich etwa acht bis zehn Jahre alt war. Ich erinnere mich gut an die Atmosphäre der Kirche. Im Inneren war es kühl, und es gab einen großen Garten. Jetzt, da sich eine Kampagne zur Unterstützung dieser Kirche gebildet hat, werden beim Anblick der Bilder die Erinnerungen an früher wieder lebendig.
Mein Vater verließ 1997 im Alter von 20 Jahren den Iran. Dennoch ist seine emotionale Verbundenheit mit dieser Kirche bis heute geblieben, und er verfolgt die Entwicklungen mit großer Sorge. Auch viele Familienmitglieder, die den Iran in den vergangenen Jahren verlassen haben, verfolgen die Lage dieser Kirche weiterhin.
Kannst du die Kampagne erläutern, die zur Unterstützung dieser Kirche ins Leben gerufen wurde?
Wir leben in verschiedenen Ländern. Ein Teil der Familie ist in den USA, ein anderer in Großbritannien. Unser Ziel ist es, dieses Thema in den sozialen Netzwerken und Medien dieser Länder sichtbar zu machen. Die Kampagne soll internationalen Druck aufzubauen, um die Zerstörung oder Räumung dieser Kirche zu verhindern und die dort lebenden Familien zu unterstützen. Unserer Auffassung nach ist der internationale und mediale Druck der einzige wirksame Weg, denn Entscheidungen dieser Art werden im Iran politisch getroffen und beruhen auf Machtkalkülen. Deshalb versuchen wir, das Thema durch Medienberichte, Interviews und soziale Netzwerke stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.