Vor rund fünf Jahren eröffneten die beiden iranischen Schwestern Akram und Giti Ayoughi das Café „Kardamom“ im Berliner Stadtteil Schöneberg. Maryam Mardani hat mit Akram über die Details ihres Familienbetriebs gesprochen und darüber, warum sie sich unter verschiedenen beruflichen Möglichkeiten ausgerechnet für ein Café entschieden haben.
Was ist das Café Kardamom?
Dieses Café ist unser zweites Zuhause und das von vielen Iranern, die in Berlin leben. Sogar einige deutsche Kunden sagen, dass es sich hier wie zu Hause anfühlt und das Essen nach dem Essen der Mutter schmeckt. Obwohl sich ihre Kultur und die Speisen, die sie gegessen haben, stark von uns unterscheiden, nehmen sie dennoch dieses Gefühl von Zuhause wahr.
Wie kamen Sie auf die Idee für das Café? Hatten Sie davor Erfahrung in diesem Bereich?
Ich war viele Jahre als Auditorin im Iran tätig und habe an der Universität auch Wirtschaft studiert. In den letzten Jahren, die ich im Iran gelebt habe, bekam ich Kinder und war mehr zu Hause. In dieser Zeit schrieb ich Kinderlyrik. Leider hatte ich aufgrund meiner Migration keine Gelegenheit, meine Bücher zu veröffentlichen.
In Deutschland habe ich zunächst in einer kleinen Stadt gelebt, in der ich als Bibliothekarin gearbeitet habe. Danach zog ich nach Berlin. Ich habe auch Erfahrung in der Arbeit in einem Altenheim und im Kuchenbacken. Außerdem bin ich gern mit Menschen in Kontakt und kann gut mit ihnen umgehen. Schließlich beschlossen meine Schwester und ich, ein Café zu eröffnen. Es ist zwar keine leichte Arbeit, aber wir mögen sie.

Wie sind Sie mit dem hohen Arbeitsdruck in der Gastronomie über die Jahre umgegangen?
Wir haben uns selbst ein begrenztes Arbeitspensum gesetzt, und das reicht uns. Deshalb machen wir auch keine Werbung. Wir sind mit unserer Arbeit zufrieden und überfordern uns nicht. Meine Schwester und ich haben die Aufgaben im Café unter uns aufgeteilt und erledigen sie. Durch dieses Café habe ich so viele Menschen kennengelernt, dass ich mich in Berlin nicht mehr fremd fühle. Die positive Energie, die wir aus der Arbeit bekommen, überwiegt unsere Müdigkeit.

Sie führen einen Familienbetrieb. Wie halten Sie die Balance zwischen Ihrem Privat- und Arbeitsleben?
Vier von uns Geschwistern leben hier zusammen mit ihren Ehepartnern und Kindern. Unsere Familienbeziehungen sind sehr tief und herzlich, und wir verbringen viel Zeit miteinander. Zwar gibt es Arbeitsstress und unterschiedliche Ansichten, aber wenn wir am Ende der Arbeit nach Hause zurückkehren, sind wir wieder dieselben Schwestern, die sich in jeder Hinsicht unterstützen.

Welche Neuerung haben Sie in Ihrem Café eingeführt, die für Kund:innen attraktiv ist?
Wir haben in diesem Café einen Stil umgesetzt: Menschen, die Appetit auf ein bestimmtes Gericht haben, kommen hierher und bitten uns, es für sie zuzubereiten. Der Kunde weiß, dass das Essen, das er bekommt, frisch und sauber ist. Wir kochen das Essen nicht im Voraus und stellen es nicht beiseite. Wenn der Kunde kommt, sagen wir, welche Gerichte wir heute zubereiten können, und er wählt aus, was er möchte. Unser Café ähnelt nicht einem Restaurant, sondern hat eine häusliche Atmosphäre, und unsere Kunden empfehlen das Café meist anderen weiter.
Welches iranische Gericht ist in Deutschland schwerer zuzubereiten?
Hier in Berlin kann man normalerweise alle nötigen Zutaten in den Geschäften bekommen. Vielleicht wäre es besser zu fragen: Welches iranische Gericht ist schwerer zuzubereiten? Dann antworte ich, dass Gheyme-Eintopf für mich am schwierigsten ist. Dieses Gericht hat viele Details; seinen echten Geschmack hinzubekommen, ist nicht leicht. Auch Halim ist ein schwieriges Gericht, aber wir bereiten es jeden Sonntag zu. Einige Kunden sagen uns, dass wir mit Liebe kochen, und ich finde, das stimmt wirklich.

Einige iranische Restaurants in Deutschland haben den Geschmack ihrer Speisen dem deutschen Gaumen angenähert. Andere sind den ursprünglichen Aromen treu geblieben. Zu welcher Gruppe gehören Sie?
Wir bereiten unsere Speisen auf dieselbe iranische Art zu. Einige Gerichte mögen die Deutschen sehr: Zum Beispiel haben wir ein Gericht, das mit Spinat, Pilzen, Walnüssen und Granatapfelmark zubereitet wird. Es hat einen süß-sauren Geschmack und kommt dem deutschen Gaumen nahe. Viele unserer Speisen enthalten Granatapfel. Granatapfel verleiht dem Essen sowohl ein fröhliches und schönes Aussehen als auch einen genussvollen Geschmack. Sogar Shami Lori und Berberitzenreis mit Huhn sind bei den Deutschen sehr beliebt. Insgesamt haben wir den Geschmack iranischer Speisen nicht verändert, aber wir haben Gerichte auf unsere Speisekarte gesetzt, die auch dem deutschen Gaumen nahekommen.

Wer hat Ihr Café in den vergangenen fünf Jahren stärker angenommen? Iraner:innen oder Deutsche?
Sicherlich haben die Iraner am Anfang stärker darauf reagiert, weil die Deutschen uns noch nicht kannten. Aber jetzt haben wir sowohl iranische als auch nichtiranische Kunden.
Feiern Sie in Ihrem Café auch Feste wie Nowruz und Weihnachten?
Ja, immer. Wir veranstalten hier auch andere Feiern wie Geburtstage.