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Unity Hub – ein neues Zentrum für die ukrainische Community

Ukrainische Community bei der Eröffnung des Unity Hub Berlin Foto: Valeriia Semeniuk
Ukrainische Community bei der Eröffnung des Unity Hub Berlin Foto: Valeriia Semeniuk

Die ersten Besucher des neu geschaffenen Community-Zentrums der Ukrainer:innen (Unity Hub Berlin) waren Vertreter:innen der ukrainischen Zivilgesellschaft. Ihr informelles Treffen mit den Leitern des ukrainischen Ministeriums für Sozialpolitik, Familie und Einheit fand nur wenige Stunden nach der offiziellen Eröffnung des Hubs am 14. April statt.

Zum Hintergrund: Das Unity Hub Berlin ist das erste solche Zentrum für Ukrainer:innen in Europa. Es wurde auf Initiative der ukrainischen Regierung mit Mitteln der deutschen Regierung geschaffen. Ähnliche Einrichtungen sollen auch in Tschechien und Schweden eröffnet werden. Betreut werden sie von der Agentur für nationale Einheit beim Ministerium für Sozialpolitik. Das Unity Hub Berlin liegt im Herzen der Hauptstadt, in der Nähe des Gendarmenmarkts, und umfasst mehrere Etagen mit einer Gesamtfläche von rund 2000 Quadratmetern.

„Alles liegt in Ihren Händen“

„Hat das Unity Hub Berlin eine langfristige Strategie – für fünf bis zehn Jahre?“, fragt einer der zu dem Treffen Eingeladenen. Als Antwort versucht Sozialminister für Sozialpolitik, Familie und Einheit Denys Uljutin, die Frage mit einem Scherz zu nehmen: „Für 10 Jahre sicher nicht. Eine stabile Finanzierung durch die deutsche Regierung ist bisher nur für drei Jahre vorgesehen.“

Im Ernst ist schon die Entstehung eines solchen Zentrums Teil der staatlichen Strategie zur Unterstützung von Ukrainer:innen im Ausland. Wie es inhaltlich ausgestaltet wird, hängt nach den Worten des Ministers jedoch von der Community selbst ab. Der Staat will keine starren Vorgaben machen. Im Gegenteil: Das Format soll sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren.

„Alles liegt in Ihren Händen“, sagte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, zu den Aktivisten. „In Berlin war die Nachfrage nach einem solchen Zentrum riesig. Hier ist es, bitte sehr.“ Seiner Ansicht nach hängt nun alles davon ab, wie die Ukrainer:innen diesen Raum mit Leben füllen – und ob er zu einem echten Ukrainischen Haus wird.

Zwischen Integration in Deutschland und Rückkehr nach Hause

Die Nachricht von der Eröffnung des Zentrums löste in der ukrainischen Community gemischte Reaktionen aus. Einerseits gab es Begeisterung, weil seit Langem tatsächlich Bedarf an einer repräsentativen Plattform für die Aktivitäten der ukrainischen Organisationen besteht. Andererseits wurden Zweifel laut, ob eine solche Institution in zwei völlig unterschiedlichen Richtungen gleichermaßen wirksam sein kann. Denn dem Konzept wohnt, so der Einwand, ein Widerspruch inne: Das Unity Hub verspricht Unterstützung für diejenigen, die in Deutschland bleiben wollen, und zielt zugleich darauf ab, möglichst viele Ukrainer:innen zur Rückkehr nach Hause zu bewegen.

Der Minister für Soziales aus der Ukarine und der ukrainische Botschafter bei der Eröffnung Foto: Valeriia Semeniuk

„Ich will nichts beschönigen: Wir wollen, dass Ukrainerinnen und Ukrainer zurückkehren und ihre Energie, ihre Kraft und ihre Möglichkeiten in den Wiederaufbau und die Entwicklung der Ukraine investieren“, sagte Minister Denys Uljutin bei dem Treffen mit den Aktivisten. Seinen Worten nach bleibt die Ukraine trotz des Krieges ein Land der Möglichkeiten und einzigartiger Erfahrungen, die sogar für Europäer wertvoll sein können. „Nach dem Ende des Krieges wird vielleicht der eine oder andere von ihnen selbst in die Ukraine ziehen wollen“, fügt der Minister hinzu. Zugleich betont er: Von Druck oder Zwang könne keine Rede sein. Die Entscheidung, zu bleiben oder zurückzukehren, werde jeder selbst treffen. Das Zentrum werde nur Beratungen sowie Serviceleistungen anbieten.

Angesichts der Sicherheitslage sei jetzt sicher nicht der Zeitpunkt, über eine massenhafte Rückkehr von Flüchtlingen zu sprechen, sagt Natalja Pryhornyzka, Vorstandsmitglied der Allianz ukrainischer Organisationen. Ihrer Ansicht nach können sich Ukrainerinnen und Ukrainer auch aus dem Ausland am Wiederaufbau und an der Entwicklung der Ukraine beteiligen: „Das Potenzial, die Diaspora in Deutschland einzubinden – ihr Wissen, ihre Ressourcen und ihre Kontakte vor Ort –, ist enorm.“ Und sie würde sich wünschen, dass der ukrainische Staat aktiver mit ihnen zusammenarbeitet.

Maria Holowjanko freut sich, dass es nun endlich gute Räume für ukrainische Aktivitäten gibt. Foto: Valeriia Semeniuk

Die ukrainische Gemeinschaft richtet sich in dem neuen Raum ein

Unterdessen schauen sich ukrainische Aktivist:innen bereits in den Räumen um – und schmieden Pläne. Für den Berliner „Plast“ (Pfadfinder) war das Hauptproblem bislang, dass sie keine Räume hatten. Die Organisation vereint fast 200 Menschen, und ihre Treffen finden mal hier mal da statt. Mal in Schulräumen, mal in Familienzentren.

„Uns fehlt sehr ein fester Raum, in dem wir uns treffen und unsere Aktivitäten und verschiedene Veranstaltungen durchführen könnten“, sagt die Plast-Betreuerin Marija Holowjanko. Der neue Hub löst dieses Problem nicht vollständig: Für „Plast“ sind dort bislang nur zwei Räume vorgesehen. Da gibt es noch Luft nach oben.

Für die Projektdirektorin des Ukrainisch-Deutschen Zentrums AdlerA e.V., Oksana Orel, sind es auch die Räume, die das Unity Hub interessant machen und dazu in der guten, zentralen Lage: „Das ist eine Möglichkeit, repräsentative Veranstaltungen durchzuführen und unsere Arbeit auf einem anderen Niveau zu präsentieren.“ Die zentrale Lage mache ukrainische Initiativen für deutsche Institutionen sichtbarer, ebenso für die Presse, erklärt sie.

Zugleich will Oksana Orel in Kürze die Dienstleistungen der Rentenkasse nutzen, die im Zentrum angeboten werden sollen. Sie möchte ihr Arbeitsbuch digitalisieren, wie es das ukrainische Recht inzwischen verlangt. Und überhaupt hofft sie, dass das Zentrum in Berlin zu einer Art ukrainischem Bürgeramt wird, in dem man alle grundlegenden Verwaltungsleistungen sowie Beratungen erhalten kann.

„Die Menschen verlieren sich oft im Dickicht der Informationen über die Regeln für die Ausstellung von Dokumenten. Dabei geht es um unzählige Situationen: Entschädigungen für zerstörten Wohnraum, Erbschaftsantritt, Änderungen des Familienstands, Rentenanträge, eben auch Arbeitsbücher.“ Wenn alles umgesetzt werde, was das Sozialministerium versprochen habe, werde das Zentrum nach Ansicht von Oksana Orel tatsächlich zu einem nützlichen Service für Ukrainer:innen im Ausland. Und zu einem Symbol dafür, dass sich der Staat um sie kümmert.

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