Das Potsdamer Museum Barberini setzt das Projekt „Museumstreff“ für Ukrainer fort. Jeden Monat gibt es hier auf Ukrainisch Führungen durch Ausstellungen und Kunst-Workshops. Das Museum stellt den Besuchern alles Nötige zur Verfügung: Für Kleinkinder gibt es Kinderwagen und für ältere Menschen Stühle. Dazu kostenlose Materialien zum kreativen Arbeiten für alle.
Die drei nächsten Treffen, die jeweils zwei Stunden dauern, finden am 13. April, 4. Mai und 1. Juni um 16:00 Uhr statt. Die Tickets kosten nur 3 Euro. Für Kinder bis 7 Jahre ist der Eintritt frei.
Gemeinsame Erfahrung und Quelle der Inspiration
Der erste Teil des Programms Museumstreff ist eine Führung durch eine der neuen Ausstellungen oder ein Rundgang durch die Dauerausstellung, eine der besten Sammlungen des Impressionismus in Europa. Sie werden von der Kunstführerin Viktoria Spalek geleitet.
„Es ist schön, dass sich so viele Ukrainer für zeitgenössische Kunst interessieren. Zu den Museumstreffen im Barberini kommen sowohl Mütter mit kleinen Kindern als auch ältere Menschen“, sagt Viktoria Spalek, die seit 2023 jeden Sonntag Führungen durch Berliner Galerien organisiert. Darüber schreibt sie auf ihrem Instagram und in ihrem Telegram-Kanal. Die Frau gründete in Berlin auch das englischsprachige Magazin über ukrainische Künstler:innen und Literat:innen „Dach Magazine“. Über die Präsentation der Zeitschrift haben wir hier geschrieben.
Spalek gefällt am meisten, wie sich die Menschen während der Führungen öffnen, ihre unmittelbare Reaktion auf die Geschichten: „In den ersten Minuten sind wir noch Fremde und natürlich schauen sie mich skeptisch an. Sie denken: ‚Wird es interessant sein?‘ Aber am Ende des Treffens sind die Menschen dankbar, sie lächeln, wollen noch einmal zurückkommen. Sie werden offener für Neues. Und wir bekommen eine gemeinsame Erfahrung – sie verändert und verbindet Menschen.“
Derzeit läuft im Museum Barberini die Ausstellung von Max Liebermann: „Avant-Garde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“. Der deutsche Künstler jüdischer Herkunft ist einer der wichtigsten Vertreter des Impressionismus außerhalb Frankreichs.
Die Ausstellung zeigt mehr als 110 Werke aus mehr als 60 Sammlungen. Einen besonderen Schwerpunkt haben die Kuratoren auf das Schaffen von Künstlerinnen jener Zeit und ihren Beitrag zur Entwicklung des deutschen Impressionismus gelegt. Vielleicht wird eine von ihnen zur Inspirationsquelle für den Workshop, der immer der zweite und abschließende Teil des Museumstreff ist.
Ein Paradies für Kreativität
Die kreativen Workshops finden unter der Leitung der Malerei-Dozentin, Sängerin und Ehrenamtlichen Irina Razin statt. Im Jahr 2024 gründete die Frau den Kunstraum sho.tam_berlin. Über sie haben wir hier geschrieben.
„Das Thema der Kreativstunde ist jedes Mal neu und mit dem Thema der Führung durch das Museum verbunden“, erzählt Razin. „Bei einem der letzten Treffen ließen wir uns von der Ausstellung ‚Einhorn. Das mythische Tier in der Kunst‘ inspirieren. Wir malten Bilder mit Pastell und bastelten Laternen. Die Mitarbeiter des Museums schlugen vor, Collagen zu machen. Sie wählten aus ihrer Sammlung Bilder mythischer Wesen aus und schnitten sie in zwei Hälften. Daraus hatte jeder die Möglichkeit, sein eigenes erfundenes Fantasietier ‚zusammenzusetzen‘. Uns wurden auch Stoffe für Handarbeiten zur Verfügung gestellt. Wer wollte, setzte sie zu Wandbildern zusammen, die wie mittelalterliche Gobelins aussahen.“
Die Kurse finden im Atelier des Museums statt. „Das ist mein Paradies“, erzählt die Künstlerin begeistert. „In diesem Raum hat das Museum eine luxuriöse Sammlung verschiedenster Materialien für die kreative Arbeit der Besucher zusammengestellt. Pastell, Acryl, Aquarell, Materialien zur Herstellung von Stempeln, zum Schnitzen, Papier in verschiedenen Größen, Materialien für Collagen und für eine sehr interessante Teppichtechnik, das Tufting. Beim nächsten Workshop am 13. April plane ich entweder Tufting oder Malen mit Acryl. Inspirieren lassen wir uns von Bildern aus der Ausstellung von Max Liebermann.“
Ein Museum, das sich der Unterstützung der Ukraine verschrieben hat
Das Projekt Museumstreff initiierte das Museum Barberini bereits 2022. „Wahrscheinlich ist das das einzige Projekt in Berlin-Brandenburg für Ukrainer, das so lange läuft“, sagt die Organisatorin der Workshops. „Als man mich zur Zusammenarbeit einlud, dachte ich, das sei vorübergehend“, erinnert sich die Frau. „Doch Museumstreff besteht schon seit vier Jahren und wird mindestens bis September weiterlaufen.“
Irina Razin ist vom Museum Barberini aufrichtig begeistert, vor allem von seiner Hingabe an die Unterstützung der Ukraine. „Für die Mitarbeiter ist es wichtig, dass Ukrainer die Führung genau auf Ukrainisch hören und auch über Museumstreff in ihrer Muttersprache lesen können“, betont Razin. Sie weist auch darauf hin, dass die Kuratoren in fast jeder Ausstellung einen Schwerpunkt auf ukrainische Kunst legen. So wurde etwa während der jüngsten Ausstellung „Einhorn. Das mythische Tier in der Kunst“ der inoffizielle Aufnäher der LGBT-Militärangehörigen der Ukraine in die Ausstellung aufgenommen. Die Illustratorin Anastasiia Levytska schuf das Bild eines Einhorns in militärischer Ausrüstung und mit Flammen.
Nach Angaben der Autorin wählte sie dieses mythische Tier, weil es in der Heraldik einen tapferen Soldaten verkörpert, der eher im Kampf stirbt, als in Gefangenschaft zu geraten.
Auch in seiner Mediathek präsentiert das Museum Barberini die Online-Ausstellung „100 Meisterwerke aus der Nationalen Kunstgalerie Kyjiw“ – von Ikonenmalerei und Werken des 19. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischer ukrainischer Kunst.
Anmeldung und Tickets für die Museumstreffen im Barberini: 3 Euro, Kinder bis 7 Jahre kostenlos hier.
Adresse: Museum Barberini – Alter Markt Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.