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Heimreise aus Damaskus – Wenn im Urlaub ein Krieg beginnt

Letzter Ausweg: Mit dem Taxi über die Grenze Foto: Souzan Nasri
Letzter Ausweg: Mit dem Taxi über die Grenze Foto: Souzan Nasri

Was passiert, wenn der Urlaub sich nur noch nach dem Takt der Nachrichtensendungen richtet? Wie geht es uns, wenn die Reise, die eigentlich Erholung und Freude bringen soll, zu einem nervenaufreibenden Warten auf Eilmeldungen wird? Gibt es überhaupt noch Raum, dass wir private Momente erleben können, ohne dass die Weltlage und die Nachrichten von Kriegen und Angriffen uns einholen? Oder drängt sich die Realität des Nahen Ostens selbst in die persönlichsten Momente? Diese Fragen gehen mir durch den Kopf, jetzt, wo ich mich hinsetze und mich entschieden habe, diese Zeilen zu schreiben.

Millionen Menschen sind direkt von der Eskalation des Krieges gegen den Iran und die Folgen für die Nachbarländer betroffen, erleben Bombardements, Tod und Flucht. Im Vergleich ist das, was mir widerfahren ist, banal. Es ist eine kleine, ganz persönliche Erfahrung, die ich hier aufschreiben möchte. Ich hatte Urlaub und verbrachte diesen in Damaskus. Familienbesuche. Freundetreffen. Ausgehen.

Vorübergehende Ruhe in einer von Krisen belasteten Realität

Ich war nach Damaskus gereist, um einen kurzen Urlaub mit Familie und Freunden zu verbringen. Es war nicht mein erster Besuch seit dem Sturz des Regimes, sondern der dritte. Bei den beiden vorherigen Malen war ich mit einer Delegation von Kollegen im Rahmen der Arbeit am Projekt der Amal-Journalistenschule gereist, die wir in der Hauptstadt gegründet haben. Diesmal aber war es ein rein familiärer Besuch, auf der Suche nach etwas menschlicher Wärme, die uns in der Fremde fehlt. Und trotz allem, worunter Syrien derzeit leidet – akuter Mangel an Ressourcen, Stromausfälle, Wasserknappheit und steigende Lebenshaltungskosten –, begleitet uns dort immer ein Gefühl der Geborgenheit und Ruhe. Das mag daran liegen, dass wir als Besucher kommen und nicht als Bewohner?

Schließlich kenne ich in Syrien kaum jemanden, der nicht davon träumt, eine Wunderlampe zu besitzen, die ihn von dort fortbringt, weit weg von der Last der Kriege, der Sorge und dem Druck des Alltags. Für uns Besucher:innen hingegen gibt es in Syrien kleine Details, die uns das Gefühl von Zugehörigkeit zurückgeben. Es ist das soziale Leben, die Familientreffen und die Wärme, die durch dies Beisammensein entsteht.


Ich kam nach Damaskus und genoss dieses Gefühl in vollen Zügen. So sehr, dass ich erst am Mittag am ersten Kriegstages mitbekam, was geschehen war. Da war der Krieg schon seit mehreren Stunden im Gange. Das ist tatsächlich seltsam, da ich als Journalistin normalerweise die Nachrichten in Echtzeit verfolge. Doch das Eintauchen ins familiäre Geflecht, die tägliche Treffen und alles, was dazu gehört, hatten mich vom Nachrichtenticker abgelenkt.

Die Rückreise nach Deutschland … zwischen Annullierung und Warten

Mit der Zuspitzung der Ereignisse wurden die Folgen des Krieges schnell sichtbar. Der Flug, den ich für die Rückkehr nach Deutschland gebucht hatte, wurde annulliert. Zunächst war das nicht beunruhigend. In der Region sind wir daran gewöhnt. Doch bald zeigte sich, dass die Lage diesmal anders war und dass der Horizont der Krise weit und voller unkalkulierbarer Unwägbarkeiten war.


Ich versuchte, nach Alternativen zu suchen. Doch die türkischen und jordanischen Fluggesellschaften kündigten die Annullierung aller ihrer Flüge an. Plötzlich befand ich mich in einer echten Zwangslage. Die Sorge galt nicht dem Verbleib in Syrien an sich, sondern der Angst, für viele Tage festzusitzen, während in Deutschland Verpflichtungen und Arbeit auf uns warteten. Die einzige Hoffnung war ein Flug vom Flughafen Beirut mit der Middle East Airlines MEA, die den Ruf hat, auch bei schwersten Krisen den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ich beeilte mich mit der Buchung. Doch innerhalb weniger Minuten waren alle Flüge ausgebucht. Es blieb nur noch ein einziger Platz fünf Tage später.

Ein Nervenkrieg

Es waren Tage voller Anspannung und Sorge. An dem Tag, an dem wir beschlossen, auf dem Landweg nach Beirut zu fahren, erreichte uns die Nachricht, dass die Grenzstraße zwischen Syrien und dem Libanon bombardiert werden solle. Trotzdem kehrten wir nicht um. Wir setzten die Reise zur Grenze fort. Mit Gottes Hilfe gelang es uns nach langen Stunden des Wartens und der Anspannung, die Grenze zu überqueren. Es war eine beschwerliche Reise, voller psychischer und körperlicher Strapazen. In diesen Momenten stellte sich mir eine schwere Frage: Ist es uns, den Menschen dieser Region, bestimmt, in einem dauernden Zustand der Unsicherheit zu bleiben?


Als ich schließlich ins Flugzeug stieg, konnte ich es gar nicht glauben, dass wir tatsächlich abreisen würden. Das Gefühl, festzustecken, selbst wenn es nur für ein paar Tage ist, erzeugt enormen psychischen Druck.


Erst da begriff ich, wenn auch nur in geringem Maß, was jene empfinden, die den Krieg direkt erleben: diejenigen, die ihre Häuser verloren haben, von ihren Kindern und Familien getrennt werden. Jetzt und in den letzten Jahren: Viele leben Jahre der Ungewissheit und des Zwangs. Einige haben diese Erfahrung überwunden und haben ein neues Leben gefunden. Doch viele leben in dieser Unsicherheit bis heute.

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