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Mehr als eine Gedenkveranstaltung für Hazaraführer Mazari

Diskussion über Frauenrechte und Sicherheit beim Treffen der Hazara-Community in Frankfurt Foto: Martin Gerner/Slider Bilder
Diskussion über Frauenrechte und Sicherheit beim Treffen der Hazara-Community in Frankfurt Foto: Martin Gerner/Slider Bilder

Bei einer Veranstaltung, die am 12. April in Frankfurt am Main auf Initiative des Zentrums der Globalen Hazara-Union stattfand, versammelten sich Vertreter:innen der afghanischen Diaspora und diskutierten über die aktuelle Situation, insbesondere Frauenrechte, die Lage in Afghanistan und die internationalen Krisen. Die Veranstaltung wurde anlässlich des 31. Jahrestags der Ermordung von Abdul Ali Mazari abgehalten. Mazari war Politiker und setzte sich in der Zeit des Krieges mit der UdSSR für ein Afghanistan mit Gleichberechtigung zwischen den vielen ethnischen Gruppen ein. In diesem Sinne sprachen sich die Teilnehmenden an der Veranstaltung vergangene Woche für mehr soziale Gerechtigkeit und die Beteiligung von Frauen in Afghanistan heute, sowie die Rolle migrantischer Gemeinschaften bei der Stärkung der Solidarität in Deutschland aus.

Buntes Kulturprogramm

Im weiteren Programm zog die Kunstausstellung von Ali Omid, einem ehemaligen Dozenten der Universität Kabul, die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden auf sich. Die Ausstellung zeigte grafische Arbeiten, Fotografien und Malerei mit dem Schwerpunkt Frauenrechte, Lebensbedingungen und die Herausforderungen der Hazara in Afghanistan. Ebenfalls wurden mehrere Forschungs- und Bildbände über Afghanistan präsentiert, darunter das Buch „Finding Afghanistan: Photography 2001–2021“ von Martin Gerner und das Buch „The Battle for Survival“ von Hassan Samangani.

Martin Gerner, ein deutscher Journalist und Aktivist sprach über die Lage in Afghanistan und die bestehenden Herausforderungen. Er bezeichnete die Schaffung einer Dachorganisation für Hazara-Verbände in Deutschland als einen positiven Schritt und betonte, dass eine solche Struktur den Dialog mit staatlichen Institutionen erleichtern könne. Seiner Ansicht nach ermögliche dies, die Anliegen und Probleme der Hazara-Gemeinschaft besser vorzutragen und die Voraussetzung für verstärkte Zusammenarbeit zu schaffen.

Diskriminierung der Hazara Entwicklungshindernis

Gerner, der seit mehr als 15 Jahren mit der afghanischen Zivilgesellschaft zusammenarbeitet, verwies auf seine Erfahrungen in dem Land und sagte, ethnische Vorurteile seien schon lange ein ernsthaftes Hindernis für soziale Solidarität. Er fügte hinzu, dass das Überwinden dieser Denkweisen notwendig sei, um eine nachhaltige Zukunft zu bauen. Zudem sprach er die schwierige Lage der Bildung für Frauen an, nannte aber die Entstehung von Online-Bildungsangeboten ein Hoffnungszeichen und sah darin eine Gelegenheit, das Lernen unter eingeschränkten Bedingungen fortzusetzen.

Ergebnisse einer Studie zu Identität und Integration der Hazara in Deutschland

Dr. Mostafa Naseri, Leiter des Forschungs- und Aktionsinstituts Gita (Gita Institute for Research and Action), stellte die Ergebnisse seiner Untersuchung zur Identität und Integration hazaraischer Migranten in Deutschland vor. Er erklärte, die Migration der Hazara sei überwiegend Folge von Krieg, Unsicherheit und Diskriminierung gewesen. Zugleich habe sich die Integration in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen weiterentwickelt, während die politische Teilhabe weiterhin begrenzt bleibe. Er nannte Herausforderungen wie Sprache, Bürokratie, Beschäftigung und Diskriminierung als Haupthemmnisse der Integration und betonte die Notwendigkeit, Jugendliche zu unterstützen und den kulturellen Dialog zu stärken.

Gita ist eine Forschungseinrichtung, die in den Bereichen Migration, Identität, soziale Integration und Fragen der Diaspora-Gemeinschaften, insbesondere afghanischer Migranten in Europa, tätig ist.

Hazara-Veranstaltung-Vortrag
Dankesworte am Ende der Veranstaltung von Raqia Talash Foto: Sona Sahar

Mehr als eine Gedenkveranstaltung

Im abschließenden Teil der Veranstaltung beschrieb Raqia Talash, stellvertretende Leiterin des Zentrums der Globalen Hazara-Union, die Zusammenkunft als mehr als eine Gedenkveranstaltung. Sie betonte, solche Programme böten Raum für Gedanken, Dialog und praktisches Handeln im Sinne von Gerechtigkeit und Frieden. Ihrer Auffassung nach sei ohne die gleichberechtigte Beteiligung aller Gruppen, speziell der Frauen, die Erreichung eines nachhaltigen Friedens nicht möglich. Sie hob zudem die Verbindung von Gerechtigkeit, Sicherheit und Frieden hervor und ergänzte, dass die Verwirklichung nachhaltigen Friedens ohne Gerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe aller Gruppen, vor allem der Frauen, nicht gelingen werde. Weiterhin verwies sie auf die schmerzlichen jüngsten Ereignisse in Herat und die Ermordung schiitischer und hazaraischer Bürger und bezeichnete dies als ein Zeichen einer ernsten sicherheits- und humanitären Krise.

Quelle: amalfrankfurt.de

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