In unseren Heimatländern kannten die meisten von uns unsere Nachbarn. Manchmal hatten wir zu einigen von ihnen sogar ein Gefühl wie in einer Familie. Nicht selten waren und sind unsere besten Freunde ebenfalls Menschen aus demselben Viertel. Migration und die Trennung von diesem Viertel bedeuten daher doppelte Sehnsucht. Vielleicht ist auch genau das einer der Gründe für unseren Stress: das Fehlen von Freunden und des vertrauten Ortes, an dem wir alles und alle kennen. Es fehlt ein Treffpunkt, ein Ort der Zugehörigkeit. Die Heimat.
Doch jetzt, da wir aus welchem Grund auch immer ausgewandert sind und seit Jahren hier leben: Was sind jetzt die Orte in der Nähe unseres Zuhauses, wo wir uns geborgen und zu Hause fühlen. Ist es ein Park, ein Café, ein idyllischer See oder ein grüner Wald?
Wo ist das Leben? Im Viertel, in der Stadt oder irgendwo dazwischen?
Kann ein Ort und eine gemütliche Ecke, eine alte Gasse oder ein kleiner Hain und Wald alte Gefühle und Nostalgie an die Heimat ein wenig in uns lebendig machen?
Ich weiß, die Antwort auf diese Frage ist nicht so einfach. Deshalb möchte ich meine eigene Erfahrung dazu aufschreiben. Ich würde mich freuen, wenn auch Sie später Ihre Meinung unter diesem Beitrag schreiben.
Ich bin sicher, dass viele von uns das erlebt haben: Nach einem arbeitsreichen Tag, nach Auseinandersetzungen mit Kollegen oder nach dem Sitzen im Sprachkurs spüren wir ein schweres Gewicht auf unseren Schultern. Ohne den Grund zu kennen, beschäftigt ein unbekannter Stress unseren Geist stundenlang. In solchen Momenten gilt ein Spaziergang meist als die beste Möglichkeit, Stress abzubauen. Umso besser also, wenn dieser Spaziergang Erinnerungen an einen ähnlichen Ort, an ein Treffen mit einem engen Freund oder sogar an einen Ausflug ein wenig in uns wachruft.
Kann man in neuen Städten das Gefühl eines Viertels erleben?
Für mich, der seit 10 Jahren in Deutschland lebt, lösen manche Orte, Cafés, Haine, Seen und sogar einige Bäume und Blumensträucher in der Nähe meines Wohnorts manchmal Nostalgie aus. Genau diese kleinen Zeichen haben dazu geführt, dass in mir ein Gefühl von Viertel entstanden ist und ich mich zum Beispiel als jemand aus dem Viertel Höchst empfinde.
Auch wenn kein Ort in der Fremde je meine Heimat und meinen Geburtsort ersetzen kann, so führen diese kleinen Erinnerungsmomente doch zu einem kurzen Augenblick des Glücks. Ich erinnere mich an eine schöne Begegnung mit einem lieben Freund, an Fußballspiele in der Gasse oder an das Baden im Bach neben dem Haus mit den Nachbarn an heißen Sommertagen.
Langfristig führt die zur Integration oder sagen wir zur Beheimatung in der neuen Umgebung. Finden Sie zunächst die Orte, an denen Sie sich wohlfühlen, weil Sie sie an gute Momente in der Heimat erinnern. Wenn sie dann öfter dorthin kommen und zum Beispiel häufiger im gleichen Café Kaffee trinken, lernen sie nach und nach den Café-Kellner oder die Bäckerverkäuferin kennen und bauen ein neues Netz an Beziehungen auf. Vielleicht werden Sie durch häufige Spaziergänge im Park neben Ihrem Haus neugierig auf seine Geschichte und seine alten Symbole und lesen darüber. Oder vielleicht möchten Sie wissen, warum der See in Ihrer Gegend diesen Namen trägt oder in welchem Jahr die historische Burg in der Nähe Ihres Wohnorts gebaut wurde und welche Könige sie bewohnten. Sie lernen den neuen Ort kennen und je mehr sie wissen, desto vertrauter wird die neue Umgebung.

Was hilft gegen Herbstdepression? – Empfehlungen von einer Expertin
Zu diesem Thema haben wir auch eine Expertin befragt, die Trainerin für Lebens- und Geschäftskompetenz, Frau Maleki. Besonders an trüben und grauen Wintertagen empfiehlt sie: regelmäßige körperliche Aktivität zu haben; ein Spaziergang ist eine gute Option. Auf eine richtige Ernährung zu achten und in dieser Jahreszeit mehr Kräuteraufgüsse und Tee zu trinken. Ganz wichtig: Pflegen Sie soziale Kontakte und verbringen Sie mehr Zeit mit Verwandten und Freunden. Das kann auch telefonisch sein. Auch die Teilnahme an Online-Veranstaltungen und Seminaren kann helfen. Das wichtige ist der Kontakt zu Menschen, das Gespräch.
Probieren Sie ein neues Hobby aus: Malen, Kochen, Backen oder dem Erlernen eines neuen Instruments. Jetzt ist die Chance dafür gut. Lesen Sie mal ein Buch oder schauen sich positive Filme an, die Sie motivieren können. Sehr wichtig auch, so die Expertin: Regulieren Sie ihre Schlafenszeiten. Viele Menschen verlieren in den ersten Monaten in der Fremde den Takt in ihrem Leben. Das liegt auch daran, dass sie zu viel am Handy und auf den Sozialen Medien sind. Sie können das Gefühl der Zugehörigkeit nicht wirklich ersetzen, sondern verstärken in vielen Fällen noch das Gefühl, verloren zu sein. Sie empfiehlt, diese Geräte eine Stunde vor dem Schlafen überhaupt nicht zu benutzen und sich auf sich selbst zu besinnen.
Meditation, Dankbarkeit, positives Denken
Der einfachste Weg ist, Dankbarkeit zu üben. Dazu können Sie versuchen, die eigenen Gefühle aufzuschreiben, um so den Geist zu entlasten. Machen Sie positives Denken zur Gewohnheit zu machen und versuchen Sie, auch diese dunkle Jahreszeit, wie alle anderen Jahreszeiten des Jahres anzunehmen. Denken Sie einfach daran, dass der nächste Frühling schon bald kommt und dann ein strahlender Sommer. Das hilft gegen die typische Herbstdepression.
Falls es mehr ist und Sie etwas oder ein Gedanke belastet, versuchen Sie, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen und professionelle Hilfe zu erbitten.
Mit diesen positiven Empfehlungen lade ich Sie ein, schöne Bilder aus unserem Viertel (Frankfurt-Höchst) anzusehen:
Dieser Artikel ist im Herbst 2025 bei Amal, Frankfurt! erschienen