Die diesjährigen Kommunalwahlen in Hessen waren für die ukrainische Gemeinschaft ein Meilenstein. Bei den zeitgleich mit den Kommunalwahlen stattfindenden Wahlen zum Ausländerbeirat kandidierte und gewann eine beispiellose Zahl ukrainischer Staatsbürger. Für die meisten von ihnen ist die Arbeit in einem solchen Gremium Neuland. Vor dem Start ihrer Tätigkeit trafen sie sich in Frankfurt am Main, um sich kennenzulernen und von erfahrenen Kollegen zu lernen.

Unterstützung zum Start
Organisiert wurde das Treffen von Jumas Medoff, dem Gründer der gemeinnützigen Initiative Frankfurt for Ukraine. Er stammt aus Aserbaidschan, ist seit 15 Jahren Mitglied des Ausländerbeirats in Frankfurt und seit zehn Jahren dessen Vorsitzender. Zudem ist er Stadtverordneter in Frankfurt. „Vor 15 Jahren wurde ich in den Ausländerbeirat gewählt – in Frankfurt heißt das Gremium offiziell: Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung. Nach München sind wir zusammen mit Kassel der größte Ausländerbeirat in Deutschland“, sagt Jumas Medoff. Er kennt sich bestens in der Lokalpolitik und der Arbeit der Stadtverwaltung aus, verfügt über langjährige Erfahrung im Umgang mit Behörden und städtischen Einrichtungen.
„Wir haben über den Ausländerbeirat mehr als 200 Anfragen und Vorschläge an die Stadt Frankfurt eingereicht. Zu unseren Sitzungen kommen der Oberbürgermeister, die Leiter von Polizei und Feuerwehr sowie städtischer Ämter und Einrichtungen. Auf unsere Initiative hin gab es Veränderungen bei der Frankfurter Ausländerbehörde – bei der Digitalisierung, bei der ukrainischen Sprache auf der Website und bei der Aufstockung des Personals für eine schnellere Bearbeitung von Anfragen“, berichtet Jumas Medoff. In diesem Jahr wurde er bereits zum vierten Mal in den Frankfurter Ausländerbeirat gewählt. Erstmals zogen auch Vertreterinnen der ukrainischen Diaspora ein, darunter die Leiterin des Ukrainischen Koordinationszentrums in Frankfurt, Viktoria von Rosen.
„Wir sind nicht allein“
Zum Treffen in Frankfurt kamen Ukrainer aus verschiedenen Städten Hessens – aus Kassel, Wiesbaden, Kelkheim, Hanau, Neu-Isenburg, Bad Nauheim, Gießen und vielen weiteren. Ein Teil nahm online teil. Insgesamt waren rund vierzig neu gewählte Mitglieder von Ausländerbeiräten dabei. Fast alle beginnen ihre Arbeit im Ausländerbeirat bei null. Die Vorsitzende des Ausländerbeirats in Langen und Mitorganisatorin des Treffens, Viktoria Masterovenko, erinnert sich an ihre eigenen ersten Schritte: „Als ich 2021 in den Ausländerbeirat kam, war ich dort die einzige Ukrainerin. Ich wusste nicht, was ein Ausländerbeirat ist, aber ich wollte erfahren, wie die Stadt und die Kommunalverwaltung funktionieren. Damals waren im Ausländerbeirat Menschen, die deutlich besser Deutsch sprachen als ich. Ich fühlte mich ziemlich unsicher: keine Erfahrung, keine Sprachkenntnisse und dann auch noch allein.“

In fünf Jahren hat Viktoria Masterovenko den Weg zur Vorsitzenden des Ausländerbeirats in ihrer Stadt zurückgelegt und Erfahrungen gesammelt, die sie nun gerne mit anderen Ukrainern teilt. „Es ist sehr wertvoll, gleich zu Beginn eurer Tätigkeit einen solchen Informationsschub zu bekommen. Ich bin sicher, er wird euch sehr nützlich sein. Gleichzeitig ist es eine Gelegenheit, andere Ukrainer kennenzulernen und ein Netzwerk von Menschen aufzubauen, die einer ähnlichen Tätigkeit nachgehen. Selbst wenn ihr der einzige Ukrainer seid, der in eurem Ort in den Ausländerbeirat gewählt wurde – jetzt seht ihr, dass wir nicht allein sind, dass es jemanden gibt, den wir fragen können, an den wir uns wenden können“, sagte Viktoria Masterovenko zu den Teilnehmern des Treffens.
Vorsprung für Neulinge
„Ausländerbeiräte bei deutschen Kommunen sind für Ukrainer eine neue, unbekannte Realität. Wie arbeitet man damit, welche Möglichkeiten eröffnen sie, was genau ist zu tun? Deshalb danken wir Jumas Medoff und Viktoria Masterovenko für ihre Bereitschaft, ihre gesammelten Erfahrungen zu teilen. Für Menschen, die erstmals in dieses Gremium gewählt wurden, ist das ein enormer Vorsprung, ein enormer Vertrauensvorschuss“, betonte Taras Zholubak, Konsul des Generalkonsulats der Ukraine in Frankfurt am Main.
Die meisten Ukrainer, die in Hessen in Ausländerbeiräte gewählt wurden, kamen nach 2022 nach Deutschland. Es sind Lehrer, Ökonomen, Ärzte, Psychologen, Künstler, Juristen und Vertreter anderer Berufe. Fast alle sind ehrenamtlich aktiv und in den lokalen ukrainischen Gemeinschaften bereits gut bekannt. Sie organisieren Benefiz- und Kulturveranstaltungen, sammeln humanitäre Hilfe für die Ukraine, beraten Landsleute bei Dokumenten, Wohnungssuche, Spracherwerb und dem Umgang mit deutschen Behörden. Einige haben bereits gemeinnützige Vereine in Deutschland gegründet, wie etwa Andrij Katrytsch, Vorsitzender des Vereins Der Kreis – Kassel e.V. „Wir haben den Weg von der Gründungsversammlung bis zum eingetragenen gemeinnützigen Verein in drei Monaten geschafft und das gesamte Jahr 2025 bereits als Verein gearbeitet. In diesem Jahr haben wir auch eine Liste für die Wahl zum Ausländerbeirat aufgestellt: 14 Personen von unserem Verein, und 8 von ihnen sind in den Ausländerbeirat Kassel eingezogen“, berichtet der Ehrenamtliche.

In Kontakt bleiben
Das Treffen fand in den Räumlichkeiten der gemeinnützigen Initiative Frankfurt for Ukraine statt, die seit vier Jahren humanitäre Hilfe sammelt und in die Ukraine schickt. Der Leiter der Organisation, Jumas Medoff, erklärte seine Bereitschaft, auch weiterhin informelle Unterstützung zu leisten – sowohl zur Arbeit der Ausländerbeiräte als auch zur ehrenamtlichen Tätigkeit. Die Teilnehmer tauschten Kontaktdaten aus und gründeten eine Online-Gruppe zum Austausch von Informationen und Ideen. „Wir werden dort Anfragen hochladen, die der Frankfurter Ausländerbeirat erarbeitet hat – falls einige davon für eure Städte relevant sind, könnt ihr sie anpassen und bei euren Kommunen einreichen. Außerdem ist es ein Kanal für den Austausch von Meinungen und Vorschlägen“, sagte Jumas Medoff.