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Pan-europäisches Netzwerk

70 Journalist:innen beim pan-europäischen Netzwerktreffen Medien auf Arabisch, Persisch, Ukrainisch© Ronnie Darwish/Amal News
70 Journalist:innen beim pan-europäischen Netzwerktreffen Medien auf Arabisch, Persisch, Ukrainisch© Ronnie Darwish/Amal News

Insgesamt 70 Journalist:innen diskutierten einen Tag lang über die besonderen Herausforderungen unserer Zeit. Amal News hatte zum 1. pan-europäischen Netzwerktreffen der Medien auf Arabisch, Persisch und Ukrainisch nach Berlin eingeladen. Manche der Teilnehmenden arbeiten in kleinen Projekten, andere sind in größeren Abteilungen angestellt, die an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angegliedert sind. Manche der Medien berichten auf einer der genannten Sprachen, andere vereinen so wie Amal News gleich mehrere Sprachredaktionen. Sie alle verbindet, dass sie in den vergangenen zehn bis 15 Jahren als Antwort auf die zunehmende Migration entstanden sind und sie haben das Ziel, die Neuangekommenen mit Nachrichten über die jeweiligen Aufnahmeländer zu versorgen. Es sind also keine klassischen Exil-Medien, die aus Europa über die Ereignisse in den Heimatländern der Journalist:innen berichten, sondern eine neue Form von europäischen Medien. Ziel des Treffens war zunächst einmal, dass sich die Macher:innen dieses neuen Typs des Journalismus kennenlernen und ihre Erfahrungen austauschen können. Interessant ist, dass in verschiedenen Ländern unabhängig von einander sehr ähnliche Projekte entstanden sind. Zum Teil haben die Initiator:innen erst viel später; und in manchen Fällen sogar erst durch die Teilnahem an dem 1. pan-europäischen Netzwerktreffen davon erfahren, dass es sehr ähnliche Medienprojekte auch in anderen europäischen Ländern gibt. Entsprechend groß war das Interesse und die Begeisterung der Teilnehmenden bei ihrer Zusammenkunft in Berlin.

Wiedersehensfreude vor dem Publix in Berlin © Ronnie Darwish/Amal News

Am ersten Abend versammelten sich die Teilnehmenden in der Kantine des Publix in Berlin-Neukölln zum ersten Kennenlernen. Dabei entstanden sofort sehr viele Querverbindungen: Manche kannten sich von ihrer Arbeit in den Heimatländern, andere hatten sich bereits bei anderen Veranstaltungen getroffen oder sogar schon einmal ein Projekt gemeinsam geplant. Ein guter Start also für einen intensiven Austausch.

Das Programm am Samstag begann mit einem Keynote von Hanan Badr, Professorin an der Universität Salzburg, die seit langem zu Exil-Medien in Europa forscht. Sie würdigte die Arbeit von Amal News anlässlich des 10jährigen Bestehens der Redaktion und beschrieb, wie die Berichterstattung von Amal News Neuankommenden beim Einleben helfen. Sie beschrieb sich selbst und ihre Familie als ein Beispiel: „Wenn man ankommt, dann fährt man oft versehentlich mit der falschen U-Bahn oder versteht nicht, warum die S-Bahn nicht kommt“, beschrieb sie. Die Erfahrung des Bahnfahrens sei für sie zugleich ein gutes Beispiel, wie Menschen in Deutschland heimisch werden. „Da stehen wir alle auf dem Bahnsteig und warten und es ist ganz egal, welche Hautfarbe man hat und wie lange man schon da ist. In dem Moment sind wir alle gleich und da ist es gut, wenn man weiß, wie umstritten das Thema Bahnfahren in Deutschland ist“, sagte sie.

Was die Einführung des KI-Tools für unsere Arbeit bedeutet © Eman Helal/Amal News

Im Zentrum des Netzwerktreffen standen zwei große Themen, die derzeit die Medienschaffenden in diesem Bereich besonders beschäftigen: Die Anwendung von KI im Journalismus und das Erstarken rechter politischer Kräfte in Europa.

KI als Chance für den neuentstandenen Journalismus für Geflüchtete

Im ersten Block stellte zunächst das Team von Amal News seinen Amal-KI-Editor vor. Cornelia Gerlach und Maryam Mardani beschrieben Entstehung und Funktionsweise des KI-Tools, das Amal News in Zusammenarbeit mit Benedikt Falckenstein für die Redaktion programmiert und trainiert hat. Anschließend diskutierten die Amal Redakteure Khalid Alaboud, Sona Sahar und Tamriko Shoshyaschvili mit der Moderatorin Maryam Mardani die Vor- und Nachteile des KI-Editors. Dabei ging es um Ängste wie die Sorge, dass sich Journalist:innen selbst den Job abschaffen, wenn sie KI einführen, über Fehler, die das Tool macht und um die Freiräume, die durch die Zeitersparnisse im Alltag entstehen.

Nach einer intensiven Diskussion änderte sich das Format des Austauschs und die Teilnehmenden verteilten sich auf verschiedene Sprachgruppen, um sich besser kennenzulernen und um in einen noch intensiveren Austausch zu kommen.

Treffen der arabischsprachigen Teilnehmer:innen © Eman Helal/Amal News

Die erste Session am Nachmittag war wieder für alle Teilnehmenden zusammen. Auf dem Podium ging es um die Erfahrungen einzelner Gäste mit dem Erstarken extrem-rechter Gruppen. Mariia Gorska und Nataliiya Ryaba vom neugegründeten ukrainischen Sender Slawa, der an das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Polen angegliedert ist, berichteten von Störversuchen und Provokationen durch russische Propaganda und wie sich die Journalist:innen von Slawa bemühen, ihre Zuschauer:innen auf diese sehr zielgerichtete Desinformation vorzubereiten. Zugleich bemühten sie sich, diese Information auch an ein größeres polnische Publikum weiterzugeben. „Es ist Ziel dieser Desinformation, den Menschen in Polen einzureden, dass die vielen Ukrainer:innen in Polen stören und dass sich das Problem der Bedrohung durch Russland einfach dadurch lösen lassen, wenn die polnische Regierung aufhöre, die Ukraine zu unterstützen“, so Mariia Gorska. Diesem Narrativ etwas entgegenzusetzen, darin sehe sie die Aufgabe von Journalist:innen.

Cornelia und Julia Gerlach, Gründerinnen von Amal News © Ronnie Darwish/Amal News

Nilofar Langar, Journalistin aus Afghanistan, die über das Programm „Ny Kollega“ eine feste Stelle bei öffentlich rechtlichen schwedischen Fernsehen gefunden hat, berichtete über ganz persönliche Erfahrung mit rassistischen Kommentaren, die sie oft bekomme, weil sie Schwedisch mit Akzent spreche. „Viele Zuschauer verstehen es als Bereicherung, dass es Reporterinnen wie mich gibt, die eine andere Perspektive einbringen, aber es gibt auch andere und sie schreiben hasserfüllte Nachrichten“, sagte sie.

Was bedeutet das Erstarken rechter Kräfte für unsere Arbeit? © Ronnie Darwish/Amal News

In der letzten Phase des Netzwerktreffens wurde es dann konkret. Nach dem Motto: Schön, dass wir uns kennengelernt haben. Was machen wir jetzt? Dabei entstanden praktische Pläne für einen kontinuierlichen Austausch, gemeinsame Projekte und es ging natürlich auch darum, wie der KI-Editor auch für andere Redaktionen nutzbar gemacht werden wann. Regelmäßige Treffen und ein kontinuierlicher Kontakt über Chat-Gruppen wurden geplant.

Der intensive Tag klang dann mit einer Party aus, zu der auch Leser:innen von Amal News und Kooperationspartner:innen eingeladen waren.

Am Ende eines langen Tages: Party mit Geburtstagstorte © Ronnie Darwish/Amal News

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