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Leben auf B1

Die Podcasterinnen Anna Baumann und Jana Kuznietsova Foto: Privat
Die Podcasterinnen Anna Baumann und Jana Kuznietsova Foto: Privat

Zwei Ukrainerinnen aus Kyjiw haben einen Podcast über das Leben in Deutschland mit dem Titel „Айн, цвай, драй – моє серце вилітай“ (Ain, zwai, drai – moje serze wylitaj) gestartet. Das ist keine Anleitung zur Migration und auch keine Sammlung praktischer Ratschläge. Stattdessen sind es lebendige, menschliche Gespräche über das „Leben auf B1″, die Jobsuche, endlose Termine, Freundschaften, die man von Null aufbauen muss, Beziehungen zu deutschen Männern und die ständige innere Frage – bleiben oder zurückkehren.


Das Format bleibt bewusst so persönlich wie möglich: Es ist kein Blog und kein Interview mit Expertinnen und Experten, sondern eher ein Gespräch zweier Frauen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen, die dieselbe Fluchterfahrung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Ihre Unterschiedlichkeit in Erfahrung, Alter und Sichtweise ist der Rote Faden, der sich durch die Episoden zieht.

Titel Podcast
Für die meisten, die neu nach Deutschland kommen, sind das die ersten Worte

Die erste Staffel mit dem Titel „Літо. 13 п’ятниць“ (Lito. 13 pjatnyz – „Sommer. 13 Freitage“) erscheint wöchentlich und ist auf Spotify, Apple Podcasts und YouTube zu hören.
Die Autorinnen bringen Medienerfahrung aus der Ukraine mit: Anna Baumann arbeitete im Bereich Filmproduktion, Jana Kuznietsova beim Fernsehen. Kennengelernt haben sie sich erst in Deutschland – in Reutlingen, einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg.

Ohne Erfolgsgeschichten und gute Ratschläge

„Wir haben keinen Podcast gefunden, der über die Migrationserfahrung so spricht, wie sie wirklich ist – ohne Erfolgsgeschichten und ohne Ratschläge. Das, was einem niemand vorher erklärt: wie es ist, zwischen zwei Sprachen zu leben, mit dem „falschen“ Diplom einen Job zu suchen, mit über 40 Freundschaften von Null aufzubauen. Wir haben einfach angefangen, unsere Gespräche aufzunehmen – und einige unserer Freundinnen, die unsere Erfahrung der Flucht nach Deutschland teilen, haben die Probeaufnahmen gehört, und sie haben sich darin wiedererkannt“, erzählen die Autorinnen Amal News.

Die beiden Podcasterinnen
Es ist ein sehr persönliches Projekt für die seelische Balance Foto: Privat


Auch der Name des Podcasts ist kein Zufall. Er spielt mit den Worten, die die meisten als erstes auf Deutsch lernen: eins, zwei, drei. Zugleich gibt der Titel den Rhythmus und die Struktur der Folgen vor. Die Autorinnen scherzen, dass es unter den Varianten auch einen anderen Namen gab – „Weil Berlin schon besetzt war“.

Persönliches Projekt für seelische Balance

Anna und Jana zufolge ist der Podcast vor allem eine Möglichkeit abzuschalten. Man kann ihn unterwegs im Auto oder in der U-Bahn hören, beim Kochen oder vor dem Einschlafen – aber mit Themen, die vielen nahegehen. „Das ist unsere kleine Insel der Normalität und eine Möglichkeit, im Alltag und der inneren Erschöpfung durchzuatmen. Hier können wir uns ausruhen, lachen und ehrlich reden. Selbst wenn der Podcast nicht populär wird, machen wir weiter. Das ist unser persönliches Medium“, erzählten die Autorinnen.


Kommentare, Ideen und Vorschläge nehmen die Autorinnen gerne auf Instagram, in den Kommentaren auf den Plattformen oder per E-Mail entgegen – [email protected].

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