Die Berliner Konferenz für den Sudan, die vor einigen Tagen stattfand, brachte den Krieg auf die Tagesordnung. Das wurde auch von weiten teilen der sudanesischen Community in Berlin begrüßt. Allerdings gab es viel Diskussion und zum Teil heftige Kritik daran, dass die Hauptkonfliktparteien – der sudanesischen Regierung und der Rapid Support Forces – nicht eingeladen waren. Die deutschen Behörden begründeten dies mit der Schwierigkeit, beide Seiten ohne ein Abkommen oder einen Waffenstillstand zusammenzubringen. Zudem schätzten sie ein, dass keine der Parteien tatsächlich den Willen der sudanesischen Bevölkerung repräsentiert.
Allerdings bleibt die Frage auf, wie legitim die Gespräche sein können, wenn die Konfliktparteien nicht anwesend sind und welche Aussicht auf Erfolg sie haben. Es gab Zweifel daran, welche Auswirkungen Ergebnisse dieser Konferenz haben können, wenn es keine zivile Regierung mit internationaler Legitimität gibt, die diese umsetzen kann. Insofern ist sehr fraglich, ob die Konferenz einen Wendepunkt hin zu einem Ende der sudanesischen Krise markiert.
Die Sudanes:innen in Berlin beobachten die Lage im Sudan mit großer Sorge. Es gibt nur ein kleines bisschen Hoffnung, dass durch internationale Initiativen -wie die Berliner Konferenz – eine Lösung gefunden werden kann. Amal News hat sich umgehört und dokumentiert hier einige Stimmen:
„Keine Hoffnung auf Konferenzen“ – Die Lösung muss aus dem Land selbst kommen
Omar Mohammed verbirgt seinen Pessimismus gegenüber internationalen Initiativen nicht. Er sagt: „Ehrlich gesagt geben uns diese Konferenzen keine Hoffnung. Die Lösung muss rein sudanesisch sein, innerhalb des Sudan und unter Beteiligung der Regierung. Alles andere wird nichts ändern, besonders nach dem Vertrauensverlust in die internationale Gemeinschaft.“ Er fügt hinzu, dass seine Beobachtung der Ereignisse von Schwankungen geprägt ist: „Die Nachrichten schwanken offen gesagt. Manchmal fühlt man sich siegreich, manchmal besiegt, was die militärische Lage der Armee betrifft. Politisch hat sich die Situation meiner Meinung nach zuletzt etwas verbessert, da die Regierung an Legitimität gewonnen hat. Die Anhänger der Rapid Support Forces hingegen konnten keine klaren politischen Gewinne erzielen.“
Sudan zwischen zwei widersprüchlichen Bildern
Omar sagt: „Zwar gibt es eine leichte Verbesserung in einigen Lebensbereichen, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise noch besteht. Das Ausmaß des großen Schadens im Land und die Schwierigkeit des Lebens wird jetzt erst richtig deutlich.“ Zur humanitären Lage erklärt Omar, dass sich das Bild von Region zu Region unterscheidet: „In der Hauptstadt und einigen Bundesstaaten ist die Lage viel besser als in den vergangenen Jahren. Lebensmittel sind verfügbar, und Geschäfte haben wieder geöffnet. Im Westen des Sudan ist die Situation jedoch sehr schwierig, mit Tausenden von Vertriebenen, denen es an den grundlegendsten Lebensgrundlagen fehlt. Das schmerzt am meisten.“ Er verweist zudem auf die weitreichende Zerstörung der Infrastruktur und den Zusammenbruch des Gesundheitssektors. Diese Herausforderungen stellen seiner Ansicht nach eine zusätzliche Belastung für die Bürger dar.
„Nah trotz der Ferne“
Seine persönlichen Erfahrungen im Ausland beschreibt er als belastet vom Gefühl der Hilflosigkeit: „Meine Leben außerhalb des Sudan gibt mir das Gefühl, in dieser kritischen Phase nicht beitragen zu können. Wir sind emotional nah, trotz der Ferne. Jede Nachricht beeinflusst uns psychologisch, und wir können unser Leben nicht von dem trennen, was dort geschieht.“ Er betont, dass Auslandssudanes:innen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung ihrer Familien spielen: „Durch Spenden und Geldüberweisungen leben viele Familien derzeit von der Unterstützung der Sudanes:innen in Europa. Hinzu kommen unsere Bemühungen, unsere Stimme überall dort Gehör zu verschaffen, wo wir uns aufhalten.“
Die Umgehung der Regierung verletzt die Souveränität und untergräbt die Einheit des sudanesischen Staates
Ibrahim Ahmed sieht seinerseits jede Diskussion über den Sudan ohne Beteiligung seiner Regierung als klare Verletzung der Souveränität an: „Entscheidungen über den Sudan ohne seine legitime Regierung zu treffen, verstößt gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen und stellt eine Bedrohung für die Einheit des Landes dar.“ Er lehnt es entschieden ab, den sudanesischen Staat mit bewaffneten Milizen gleichzusetzen: „Dieser Ansatz untergräbt die staatlichen Institutionen und verleiht gesetzlosen Parteien eine unverdiente Legitimität.“ Er lehnt auch die Beteiligung einiger internationaler Akteure an Lösungswegen ab, da die fehlende Neutralität die Chancen auf eine gerechte Einigung verhindere.
„Nein zur Bestimmung des Schicksals des Sudan in geschlossenen Räumen“
Ahmed Nasr bekräftigt, dass alle Ergebnisse, die nicht aus dem Inneren des Landes stammen, keine Legitimität besitzen: „Alle Ergebnisse, an denen die sudanesische Regierung nicht beteiligt ist und die nicht vom Volkswillen getragen werden, sind totgeborene Ergebnisse.“ Er fügt hinzu, dass die Botschaft, die er vermitteln möchte, klar ist: „Nein zur Bestimmung des Schicksals des Sudan in geschlossenen Räumen, fernab seiner Bevölkerung.“